Skurrile Debatten

Ärger wegen UVP-Stopp bei Rondo-Kraftwerk

Vorarlberg
25.09.2026 17:00
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Wirtschaftskammerpräsident Karlheinz Kopf wirft Projektgegnern nach emotionalen und skurrilen Debatten eine gezielte Verzögerungstaktik vor, welche Transformationsprojekte am Wirtschaftsstandort gefährde.

Die Vorarlberger Wirtschaft reagiert mit Unverständnis auf den Verlauf des Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahrens (UVP) für das geplante Kraftwerk der Rondo Ganahl AG in Frastanz. Nach intensiven Diskussionen musste die für zwei Tage angesetzte Verhandlung am Mittwoch kurz vor Mitternacht abgebrochen und vertagt werden. Ein neuer Termin wurde noch nicht fixiert.

Aus Sicht der Betreiberin sowie der Wirtschaftskammer Vorarlberg (WKV) ist dieser Ausgang das Resultat einer gezielten Blockade- und Verzögerungstaktik durch Projektgegner und Bürgerinitiativen. WKV-Präsident Karlheinz Kopf kritisierte die Abläufe im Verhandlungssaal und bezeichnete die emotionale Aufladung sowie das Auftreten externer Vereine als „skurril“. Die unsachliche Blockade ohne fundierte Argumente schade dem Wirtschaftsstandort.

Unabhängigkeit vom Erdgas im Fokus
Das Vorhaben selbst gilt als eines der zentralen Dekarbonisierungs- und Transformationsprojekte der Region: Rondo Ganahl stellt am Hauptsitz in Frastanz mit einem Großteil seiner rund 1800 Mitarbeiter Wellpappe-Verpackungen her – ein extrem energieintensiver Prozess, der das Unternehmen zum größten Gasverbraucher Vorarlbergs macht. Um angesichts der schwankenden Energiepreise und der geopolitischen Unsicherheiten fossile Brennstoffe zu ersetzen, plant der Betrieb mit einem Investitionsvolumen von rund 110 Millionen Euro den Bau einer hochmodernen Kraft-Wärme-Koppelungsanlage (KWK).

Diese soll jährlich etwa 140 Gigawattstunden thermische und rund 60 Gigawattstunden elektrische Energie liefern. Der Ertrag dient vorrangig der eigenen Produktion, zudem ist die Auskopplung von Nahwärme für umliegende Gebäude vorgesehen.

82.000 Tonnen Reststoffe sollen pro Jahr verwertet werden
Die Pläne stoßen jedoch seit Längerem auf Widerstand bei Anwohnern und Initiativen wie „S.O.S. Walgau“, die das Projekt kritisch als „Müllverbrennungswerk“ bezeichnen. Befeuert wird die Debatte durch die Dimensionen der Anlage: Vorgesehen ist die Verwertung von jährlich etwa 82.000 Tonnen Reststoffen, Ersatzbrennstoffen und Biomasse – davon kommen 12.000 Tonnen aus der eigenen Fertigung, während der Großteil extern zugeführt werden müsste. Die genehmigungstechnische Maximalkapazität liegt bei 122.000 Tonnen pro Jahr.

Während die Initiative im Verfahren Unstimmigkeiten bezüglich des Antragsrahmens, der CO₂-Emissionen und möglicher Abfallimporte sieht, werfen Unternehmen und Vertretungen den Kritikern vor, die Verhandlung durch Verfahrensanträge bewusst ausgebremst zu haben. Nach Angaben von Rondo Ganahl wurden im Vorfeld zwölf Fachbereiche umfassend geprüft – und die Gutachten würden keine Nachteile für Mensch und Umwelt ergeben.

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