Neu im AHS-Lehrplan

Gebärdensprache in nur einer Schule am Stundenplan

Steiermark
28.09.2026 05:00

Mit Beginn des Schuljahres 2026/27 wurde die Österreichische Gebärdensprache fest im Lehrplan für AHS-Oberstufen verankert. Ab 2029 soll es zudem die Möglichkeit geben, in dem Fach die Matura abzulegen. Das Angebot in der Steiermark ist aber noch ausbaufähig. Nur in einem Grazer Gymnasium steht das Fach aktuell am Stundenplan.

Vor rund zwei Wochen hat für steirische Kinder und Jugendliche wieder der Schulalltag begonnen und die eine oder andere Neuerung mitgebracht. So sorgte etwa das seither gültige Kopftuchverbot für Schülerinnen unter 14 Jahren seit dem ersten Schultag für zahlreiche Schlagzeilen in diversen Medien. Weniger Aufmerksamkeit bekommt hingegen eine Änderung im Lehrplan der AHS-Oberstufen: Die Einführung der Österreichischen Gebärdensprache als zweite lebende Fremdsprache.

Mit dem Start des Schuljahres 2026/27 wurde die Gebärdensprache nämlich fest im Lehrplan für AHS-Oberstufen verankert und steht nun als zweite lebende Fremdsprache zur Wahl. Was sich in der Theorie nach einem riesigen Fortschritt anhört, ist in der Praxis aber schwer umzusetzen.

Gebärdensprache als Wahlpflichtfach
In der gesamten Steiermark gibt es nur eine einzige AHS, in der die Gebärdensprache auf dem Stundenplan steht: das Wirtschaftskundliche Gymnasium (WIKU) in Graz. Rund 20 Schülerinnen und Schüler entschieden sich für das Wahlpflichtfach: „Die Gebärdensprache wird nicht als zweite lebende Fremdsprache angeboten, sondern ist bereits seit dem Vorjahr Teil unseres Wahlpflichtfachsystems. Die Schüler können sich ab der sechsten Klasse – das entspricht der zehnten Schulstufe – für das Fach entscheiden. Vorgesehen sind drei Jahre, ab 2029 kann auch die Matura darin abgelegt werden“, erklärt Direktorin Eva Pansold.

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Wir bieten das Fach Gebärdensprache an, weil unsere Schüler in möglichst vielen Bereichen ausgebildet werden sollen.

Direktorin Eva Pansold

Die größte Herausforderung bei der Integration des neuen Unterrichtsgegenstandes in den Lehrplan war die Suche nach einer geeigneten Lehrkraft: „Es war schwierig einen Lehrer zu finden. Auch, weil noch nicht ganz klar ist, wie die Ausbildung überhaupt stattfindet. Es gibt also noch kein Lehramt für Gebärdensprache, das einfach so studiert werden kann“, gibt die Direktorin zu Bedenken. Im vergangenen und laufenden Schuljahr gelang ihr die Suche nach einer qualifizierten Lehrperson, wie es im nächsten Jahr ausschaut, weiß Pansold noch nicht: „Aber bis dahin haben wir ja noch ein wenig Zeit.“

Schulen können selbst über Angebot entscheiden
Laut der Bildungsdirektion Steiermark soll das Angebot der Gebärdensprache als Unterrichtsfach in den nächsten Jahren steiermarkweit erweitert werden: „Der Ausbau der Österreichischen Gebärdensprache als zweite lebende Fremdsprache wird im Schuljahr 2026/27 an weiteren Standorten fortgesetzt. Ziel ist in einem ersten Schritt der Kompetenzaufbau interessierter Lehrpersonen am jeweiligen Standort. Ab dem Schuljahr 2027/28 sollen weitere Schulen den Unterrichtsgegenstand ÖGS anbieten können.“

Das Wirtschaftskundliche Gymnasium in Graz ist aktuell die einzige steirische Schule mit dem ...
Das Wirtschaftskundliche Gymnasium in Graz ist aktuell die einzige steirische Schule mit dem Unterrichtsfach Gebärdensprache.(Bild: Christian Jauschowetz)

Die Schulen können aber selbst darüber entscheiden, ob sie ÖGS in ihr Fächerangebot aufnehmen möchten oder nicht. „Bei uns war das eine einfache Entscheidung, dass wir die Gebärdensprache anbieten möchten. Wir wollen unsere Schüler in so vielen Bereich ausbilden, wie möglich, da gehört auch das dazu“, ist Pansold überzeugt. Die ersten Rückmeldungen der Schüler zeigen, dass sie an ihrer Schule den richtigen Weg eingeschlagen hat: „Es sind alle total begeistert, das Lernen macht ihnen großen Spaß“, freut sich die Direktorin.

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Es ist ein wunderbares Angebot, das wir Schritt für Schritt auch an weiteren Schulstandorten etablieren möchten.

Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner

Bildungslandesrat Stefan Hermann (FPÖ) steht dem neuen Angebot erwartungsvoll gegenüber: „Ich bin zuversichtlich, dass viele weitere Schulstandorte den Nutzen und den positiven Einfluss des Erlernens der Gebärdensprache erkennen und sie den Schülerinnen und Schülern zugänglich machen.“ Auch Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner sieht im neuen Fach eine große Chance: „Es ist ein wunderbares Angebot, das nicht nur neue sprachliche Kompetenzen vermittelt, sondern auch das Verständnis für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen stärkt.“

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