„Immer wenn es regnet, habe ich Angst“, erzählt Igrid Blaha zwei Jahre nach der Hochwasser-Katastrophe 2024. Hunderte, deren Häuser im niederösterreichischen Tullnerfeld 2024 geflutet wurde, warten nun nervös auf den Baustart der Perschling-Sanierung.
Was packt man ins Handgepäck, wenn innerhalb kurzer Zeit das Haus verlassen werden muss? Ingrid Blaha aus Atzenbrugg im Bezirk Tulln hat heute jederzeit eine Tasche bereit, falls wieder ein Hochwasser anrollt. Im Jahr 2024 setzte der Dammbruch der Perschling im Tullnerfeld Hunderte Häuser unter Wasser, so auch jenes von Familie Blaha. Die Erinnerungen verblassen nicht: „Mein erwachsener Sohn rief mich an, und sagte: Mama, die Perschling rinnt über!“
Zu dem Zeitpunkt war das Wasser noch 50 Meter vom Haus der Familie entfernt. Auch Bürgermeisterin von Atzenbrugg Beate Jilch beobachtete in Sorge gemeinsam mit den Einsatzkräften, wie die Wasserpegel stiegen. „Als die Dämme dann durchbrachen, waren die Häuser nicht mehr betretbar.“ Dass die Dämme der Perschling, die bei Zwentendorf aus der Donau entspringt, besser gesichert werden, war aber schon lange vor 2024 im Gespräch. „Es ist verantwortungslos, dass es bis heute noch keinen Baustart gegeben hat!“, spricht sich Frau Blaha den Schmerz von der Seele. Der Schaden an ihrem Haus summierte sich auf nach der Katastrophe auf 300.000 Euro. Ein zweites Mal wäre eine Schadenssumme wie diese nicht stemmbar.
Millionen für Hochwasserschutz
Immerhin: 20 Millionen machte das Land für die Sanierung der Schutzbauten locker. Die Liste der Gründe für die Verzögerung ist lange. Naturschutz, Artenschutz, Landwirtschaft und Kriegsmunition, die entfernt werden musste. Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Gegend stark bombardiert, auch, weil dort eine Munitionsfabrik ansässig war.
Gemunkelt wurde vor Kurzem in Zwentendorf bei einer Infoveranstaltung von einem verschobenen Baustart im Frühjahr 2027. Das Land verneint das, und spricht von einem Baustart noch heuer. „Das wurde uns 2025 schon versprochen“, ist Ingrid Blaha vorsichtig bei den Versprechen. Nicht nur Familie Blaha möchte nicht noch einmal in einer Flut beinahe ihr ganzes Hab und Gut verlieren. In den Wochen danach, als das Wasser absickerte, türmten sich die kaputten Möbel in der Siedlungsstraße. Die Böden in den Häusern waren komplett kaputt, Gewand und Schuhe, die liegen geblieben sind, verschimmelt.
Mir sind nach dem Hochwasser mehrmals die Tränen gekommen, als ich bei den Bürgern die Zerstörung gesehen habe. Ich hoffe, die Sanierung startet noch heuer.

Bürgermeisterin Beate Jilch Atzenbrugg
Bild: NLK Khittl
Albträume von Fluten
Das Land beteuert, dass es beim Hochwasserschutz sicher keine Nachlässigkeit gibt. Seit 2024 sind insgesamt schon 35 Projekte fertiggestellt worden. Die Situation der Perschling sei speziell schwierig gewesen, und bedurfte vieler Bodenqualität Prüfungen. Fängt es draußen stärker zu „tröpfeln“, wird man in Atzenbrugg nervös, teilweise auch panisch. Noch heute schlafen viele in der Nachbarschaft schlecht, Albträume über große Wassermengen kommen vor. „Wir wollen endlich wieder Sicherheit“, sagt Ingrid Blaha. Und der Hochwasser-Koffer? „Steht jederzeit bereit“. Drinnen nur das Nötigste: Gewand, Hundefutter und Medikamente.
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