Alte Römerstadt

Forscher finden im Mostviertel zweites Carnuntum

Niederösterreich
24.09.2026 16:00

Ein archäologischer Schatz schlummert unter Feldern bei St. Pantaleon-Erla im Bezirk Amstetten (NÖ). Geophysikalische Messungen zeigen eine antike Siedlung von der Größe Carnuntums. Es dürfte sich um Reste der Römerstadt Claudivium handeln.  

Die Spuren der Vergangenheit, welche ein interdisziplinäres Forscherteam bei geophysikalischen Messungen zutage gefördert hat, bestätigen langgehegte Vermutungen, dass im Boden unter Stein, einem Ortsteil von St. Pantaleon-Erla, römische Überreste verborgen sind. Allerdings: Vom Ausmaß der entdeckten Römerstadt sind selbst die Wissenschafter überrascht.

Bis zu 8000 Einwohner
Die Messergebnisse weisen auf ein 25 bis 30 Hektar großes Gebiet mit angelegten Straßen und sogar einen Amphitheater hin. Bis zu 8000 Menschen, so schätzen die Forscher aufgrund der Daten, könnten einst in der Stadt, als deren möglicher Name Claudivium gilt, gelebt haben.

Mit modernen Messgeräten wurde der Boden um St. Pantaleon-Erla durchleuchtet.
Mit modernen Messgeräten wurde der Boden um St. Pantaleon-Erla durchleuchtet.(Bild: GeoSphere Austria)

Visualisiert und rekonstruiert
Mehr als zehn Jahre lang haben Forscher – beteiligt waren das Forum Donaulimes, die Universität Innsbruck, die Landesarchäologen von Niederösterreich und Oberösterreich sowie Experten von GeoSphere Austria und Research Archaeology – das Areal mit modernsten Geräten unter die Lupe genommen. Jetzt präsentierten sie erstmals ihre sensationellen Entdeckungen, die digital visualisiert und rekonstruiert wurden: „Für eine Siedlung, die im Umfeld einer Garnison von rund 500 Soldaten entstand, ist eine derart große und planvoll angelegte Stadt im gesamten Römischen-Reich bisher ohne Vergleich.“

Rückzug nach 100 Jahren
Die Besiedlung des Areals an der Nordgrenze der römischen Provinz Noricum hatte nach den wissenschaftlichen Erkenntnissen etwa um 80 nach Christus begonnen. Allerdings: Nur 100 Jahre später dürfte die Stadt wieder verlassen worden sein. „Die Funde brechen um 180 nach Christus schlagartig ab. Das deutet auf einen geordneten, planmäßigen Rückzug hin“, erklären die Fachleute. Fragen zu Entwicklung, Funktion und Bedeutung des Fundortes können nur durch weiterführende Forschungsarbeiten beantwortet werden.

Und die Experten warnen:  „Ohne gezielte Untersuchungen und die Unterstützung von Wissenschaft und Denkmalpflege könnten wichtige Teile unwiederbringlich verloren gehen.“ 

Teil des Weltkulturerbes
Seit 2021 zählt der Donaulimes von Bayern bis zur Slowakei  – so nennt man die römischen Grenzbefestigungen entlang der Donau – zum UNESCO-Weltkulturerbe. Teil davon sind auch die Legionslager von Enns (OÖ) und Albin bei St. Pantaleon-Erla. 

Die nun entdeckte Römerstadt habe das Potenzial, künftig in eine Erweiterung des UNESCO-Welterbes einbezogen zu werden, erklären die Wissenschafter. Und vor Ort überlegt man bereits, wie man die Funde für den Tourismus aufbereiten kann. 

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