Im großen „Krone“-Talk

Poxrucker Sisters: „Wir lassen uns nicht beirren“

Musik
24.09.2026 15:00

Fünf Jahre nach ihrem letzten Album „Horizont“ kehren die Mühlviertler Poxrucker Sisters wieder ins Rampenlicht zurück. Auf „DNA“ finden sie ebenjene in ihrer Musik, prangern das Patriarchat an und bewerben die Kraft der Liebe. Mit der „Krone“ sprachen sie über das Frausein in einer zerrütteten Welt.

kmm

Sie haben gleichermaßen den regionalen „Mostdipf“-Preis wie einen Amadeus Award gewonnen, arbeiten als Sozialarbeiterin, Pädagogin und Volksschullehrerin und sind zu Teilen auch selbst schon Mütter – seit den 2010er-Jahren sind die Poxrucker Sisters Stefanie, Christina und Magdalena nicht mehr aus der heimischen Musikwelt wegzudenken. Diverse familiäre Veränderungen und Lebensumstellungen führten dazu, dass das brandneue Album „DNA“ ganze fünf Jahre seit dem letzten Werk „Horizont“ gereift ist. Der Albumtitel selbst kann vielseitig interpretiert werden, wie die drei Künstlerinnen im großen „Krone“-Gespräch betonen. „Unsere DNA ist natürlich die Musik. Dabei haben wir uns auf Spurensuche nach uns selbst begeben und haben realisiert, dass es nicht selbstverständlich ist, als Band so lange zu bestehen, wie wir es tun. Zudem sind auf dem Album viele verschiedene Musikstile und Ideen und das macht uns aus.“

Kein Platz für Heavy Metal
Das Erfolgsrezept der Poxrucker Sisters ist Pop im Mühlviertler Dialekt, der mit viel Leichtigkeit und Haltung daherkommt. Die Unterschiedlichkeit der Lieder ergibt sich schon daraus, dass die drei Schwestern unterschiedliche Geschmäcker und Ansätze an Musik haben. Die Range der Vorbilder reicht etwa von Birgit Denk über The Corrs bis hin zu Whitney Houston. Neben klassischen Poxrucker-Stimmungssongs wie „Soda Zitron“ oder „Mama“ gibt es auch interessante Experimente. Mit der befreundeten Rapperin Yasmo nahm man das Lied „Samma moi liab“ und probierte sich selbst im Sprechgesang aus. „Wir lassen uns nicht von Stimmen von außen beirren, sondern wollen all unsere Facetten zeigen.“ Die Fans kann man diesbezüglich aber auch beruhigen. „Wir machen jetzt nicht Heavy Metal und haben das auch nicht vor“, lachen sie, „Dialektmusik ist unsere Grundlage und Leidenschaft. Aber darauf aufgebaut kann sich sehr viel entwickeln.“

Gerade in Zeiten von künstlicher Intelligenz und der Tatsache, dass sich nicht immer zweifelsfrei zwischen echt und unecht unterscheiden lässt, setzen die Poxrucker Sisters auf maximale Authentizität. „Wir wissen schon, dass unsere Lieder nicht die Welt verändern, aber sie können vielleicht einen Stein ins Rollen bringen. Vielleicht können sie manchen Menschen aus der Seele sprechen – dann haben wir schon viel erreicht.“ Bei den drei Schwestern geht die Unterhaltung zudem mit immer mit Haltung einher. „Grundsätzlich wollen wir immer Hoffnung, Freude und gute Laune verbreiten, aber es ist uns auch extrem wichtig Gesellschaftskritisches und gewissen Werte einfließen zu lassen. Gerade als Frau in einer männerdominierten Industrie wie hier waren niemals etwas selbstverständlich.“ Nicht zuletzt deshalb landete man bewusst in der Selbstständigkeit und regelt heute vom Management über die Plattenfirme bis zur Öffentlichkeitsarbeit und dem Booking alles selbst mit einer Handvoll Vertrauten.

Jede Aussage ist per se politisch
Ein großes Thema im Kosmos der Schwestern bleibt jenes des Patriarchats. „Es ist für alle in dieser Gesellschaft eine Bürde. Nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer. Die Welt wäre wesentlich fairer und gleichberechtigter, wenn man diese Kluft zwischen den Geschlechtern nicht noch immer hätte.“ Politische Texte haben die Poxrucker Sisters schon vor Jahren in ihre Musik eingebaut. Man wedelt aber nicht mahnend mit dem Zeigefinger, sondern versucht mit dem Finden von Lösungen und mittels Diskurses voranzukommen. „Man kann auch nicht nicht politisch sein, das geht nicht. Dann müsste man aufhören zu existieren, weil jede Handlung und jede Aussage in gewisser Weise politisch sind. Aber wie wir im Song mit Yasmo sagen – seien wir doch einfach mal lieb zueinander. Davon hätten wir alle viel mehr.“

Die Poxrucker Sisters im Außenbereich der „Krone“-Kantine mit Musikexperte Robert Fröwein.
Die Poxrucker Sisters im Außenbereich der „Krone“-Kantine mit Musikexperte Robert Fröwein.(Bild: Imre Antal)

Der Opener „TAM TAM“ spricht darauf an, dass Frauen gerne gesagt wird sie sollten eben nicht so viel Tam Tam machen. Da ist auch der unglückliche Kindererziehungs-Sager von Bundeskanzler Stocker aus dem Sommer noch immer ein Thema. „Wir Frauen müssen Tam Tam machen. Eine Bühne kriegen und unsere Wünsche lautstark vortragen dürfen. Wenn die Gesellschaft einmal von Männern geprägt wird, die in einer offeneren, gleichberechtigten Lebensrealität aufwachsen, würde sich in vielen Bereichen viel ändern.“ Die Poxrucker Sisters gehörten auch zu jenen Künstlerinnen, die Seiler und Speer-Frontmann Christopher Seilers Verhalten anprangerten nach einem nachgewiesenen Übergriff im Frühling. „Es sollten sich halt noch viel mehr Männer zu diesem Thema äußern, das würde wirklich etwas verändern. Wir Frauen leisten die ganze Bildungsarbeit in dem Sektor und es wäre jetzt an der Zeit, dass die Männer sich melden.“

Kein Blatt vor dem Mund
Überhaupt sind die Poxrucker Sisters mutiger geworden und stehen auch offen dazu. „Uns wurde lang und oft genug gesagt, wir sollten von Dingen die Finger lassen oder nichts zu diesem oder jenem Thema sagen. Wenn man was zu sagen hat, soll man aber nicht schweigen. Es macht auch einen Unterschied, ob ich Musik rein nur zum Vergnügen mache, oder ob ich einen Anspruch mittrage. Das ist uns auch mit dem Album ,DNA‘ wichtig. Dass wir uns kein Blatt vor den Mund nehmen und Dinge ansprechen.“ Trotz allem sind die Poxrucker Sisters eine Familienband, zu der alle Generationen und Geschlechter bei Konzerten erscheinen. „Das ist etwas extrem Schönes und Wertvolles, weil es auch verbindend ist. Es ist sich irgendwie ausgegangen, dass wir nicht als uncool abgestempelt werden und so viele Leute noch immer unsere Musik mögen. Das ist alles andere als selbstverständlich.“

Mittlerweile erarbeiten sich in unterschiedlichsten Genres immer mehr Frauen ihren Raum. Unter anderem die deutsche Rapperin Ikkimel, die mit offensivem Gebaren und kantigen Texten ganze Stadien füllt. „Es gibt radikale Feministinnen und solche, die trotzdem auch die traditionellen Seiten eines Lebens mögen. Das darf und muss alles seinen Platz haben und ist gut für das große Ganze. Manchmal muss man auf dieser Welt schockieren, weil so viele schockierende Sachen passieren.“ „DNA“ ist so bunt wie das Leben selbst. „123 Ogschlong“ ist ein Lied gegen Femizide und Gewalt, in „World Weit Woid“ wünscht man sich von den digitalen Verpflichtungen auf den Social-Media-Kanälen hinaus in die unberührte Natur und „So jung kumma nimma zaum“ ist in gewisser Weise eine Anleitung zur gepflegten Unvernunft. In einer Welt voller Filter, nehmen die Poxrucker Sisters ebenjenen bewusst ab, um für das Auge das wahre Leben freizulegen. Am besten gelingt das live auf der Bühne.

Live quer durch ganz Österreich
Mit ihrem neuen Album „DNA“ sind die Poxrucker Sisters quer durchs ganze Land unterwegs. Sie spielen am 9. Oktober im Komma in Wörgl, am 22. Oktober in der Szene Salzburg, am 23. Oktober im Posthof Linz, am 24. Oktober auf der Bühne im Hof in St. Pölten, am 29. Oktober im Bad Ischler Kongresshaus, am 5. November im Wiener Metropol, am 6. November in Feistritz im Rosental, am 2. April im Kultur Quartier in Kufstein, am 3. April in der ARTBox in St. Gertraud, am 9. April in der Amstettner Johann-Pölzl-Halle, am 10. April im KUZ Eisenstadt, am 16. April im Grazer Orpheum und am 17. April im Kultur- und Kongresshaus im steirischen Knittelfeld. Unter www.poxruckersisters.at gibt es alle weiteren Informationen und Links zu den Karten.

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