Ein Schockanruf-Betrüger leitete ergaunertes Geld über Konten seiner Familie. Vater, Mutter und Schwester wurden am Landesgericht Wels (OÖ) nun freigesprochen, weil sie dachten, es handle sich um Gewinne aus Krypto-Deals. Der 21-Jährige selbst wird per Haftbefehl gesucht.
„Ihr Kind hatte einen schweren Unfall und braucht dringend Geld!“ Betrugsanrufe, die meist auf diese Art beginnen und auch als Schockanrufe oder Enkel- bzw. Neffentrick bekannt sind, sind seit einiger Zeit eine gängige Masche von Betrügern.
Am Mittwoch musste sich am Landesgericht Wels eine serbische Familie aus dem Großraum Wien wegen solcher Delikte verantworten. Doch zu einer Verurteilung kam es nicht: Der Vater (53), die Mutter (45) und die Schwester (23) wurden rechtskräftig vom Vorwurf der Geldwäscherei freigesprochen. Man hatte ihnen nicht nachweisen können, dass das Geld, das über ihre Konten floss, wissentlich aus kriminellen Machenschaften des Sohnes stammte.
Schwarzes Schaf der Familie ist flüchtig
Der mehrfach, teils einschlägig Vorbestrafte (21) soll das schwarze Schaf der Familie sein: „Er soll zu einer mafiösen Gruppierung gehören, die in großem Stil für Schockanrufe und Telefonbetrug verantwortlich ist. Hauptsächlich soll er Tochter- bzw. Sohn-Betrügereien begangen haben“, sagt Johannes Huber, Sprecher des Landesgerichts Wels. Allerdings nicht mit seiner echten Familie, sondern mit unbekannten Mittätern.
Auch daran, dass sich die Wiener Familie in Wels verantworten musste, ist der Sohn schuld: Er soll sich bei seinem ehemaligen Arbeitgeber, einer Tankstelle im Bezirk Gmunden, aus der Kassa bedient haben. „Er selbst ist aber flüchtig und wird per Haftbefehl gesucht“, so Huber weiter. Wird er gefasst, drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft. Der Gesamtschaden aus seinen Delikten soll rund 26.400 Euro betragen.
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