Die Regierung braucht für ihre Zivildienstreform Stimmen aus der Opposition. Heute wurde verhandelt. Die eingeladenen Parteichefs Herbert Kickl und Leonore Gewessler kamen allerdings nicht, schickten dafür ihre Wehrsprecher zum Reform-Gespräch. Die Reaktionen danach fallen eindeutig aus.
Gesprächsstoff gäbe es genug. Am Rande der Nationalratssitzung am Mittwoch versuchte die Regierung, um die Oppositionsstimmen für die Zivildienstreform zu werben. Dafür lud ÖVP-Klubobmann Ernst Gödl FPÖ-Chef Herbert Kickl und die Grünen-Vorsitzende Leonore Gewessler zu Gesprächen ein. Um 16.30 Uhr war die FPÖ dran, um 17.30 Uhr folgten die Grünen.
Wahl zwischen drei Modellen
Allerdings überließen die beiden Oppositionschefs das Feld ihren Wehrsprechern David Stögmüller (Grüne) und Volker Reifenberger (FPÖ). Im Raum stehen ja drei unterschiedliche Modelle, wie die Verlängerung des Zivildienstes ablaufen könnte: 11 Monate durchgehend, 9 Plus 2 Monate an einem späteren Zeitpunkt oder 9 + 400 Stunden ehrenamtliche Leistung innerhalb von fünf Jahren.
Der Traum vom Fünf-Parteien-Beschluss
Mit wem die Regierung die Reform letztlich beschließen will, lässt Gödl offen, träumt aber von einem „Fünf-Parteien-Beschluss“. Um die Reform zu beschließen, sei man auf die Opposition angewiesen: „Aber die Opposition trägt auch Verantwortung in diesem Land“, appelliert Gödl. Seitens der Regierung zeigt man sich verhandlungsbereit, sollten FPÖ oder Grüne noch ihre Vorstellungen reinverhandeln wollen.
Gesetzesentwurf wurde Opposition noch nicht vorgelegt
Überrascht dürften die beiden Parteien gewesen sein, dass die Regierung – anders als angekündigt, keinen Gesetzesentwurf vorlegen konnte. Stögmüller sprach von „konstruktiven Gesprächen“ und einem „ersten Abtasten“, zweifelt aber stark daran, dass bis 30. September eine Lösung gefunden werden kann – wie er am Vortag auch schon mit sehr klaren Worten bei seinem Besuch bei krone.tv kundtat. Dieses Datum gilt als Deadline, danach wird eine Umsetzung bis 2027 kaum vorstellbar.
Laut Reifenberger hätten die Freiheitlichen viel früher eingebunden werden müssen. Auch er vermisste in dem „Erstgespräch, das nur 45 Minuten gedauert hat“, einen ersten legistischen Entwurf. Dass die FPÖ den bekannten Modellen für einen längeren Zivildienst zustimmt, „kann ich mir nur ganz, ganz schwer vorstellen“, so Reifenberger, der eine „Schwächung des Grundwehrdienstes“ befürchtet.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.