Bei einer Festnahme in Hohenems (Vorarlberg) sollen zwei Brüder Polizisten attackiert haben. Vor dem Landesgericht in Feldkirch beteuern sie ihre Unschuld – und fordern vergeblich Bodycam-Bilder. Warum der Fall völlig unklar bleibt und der Prozess abgebrochen werden musste.
„Da muss es doch ein Video davon geben“, fordert der 28-Jährige. Er will vor Gericht endlich die Bodycam-Bilder sehen, die zeigen könnten, was bei seiner Festnahme tatsächlich geschah. Doch ausgerechnet von den entscheidenden Minuten gibt es keine verwertbaren Aufnahmen.
Zwei Polizisten verletzt
Was am 20. März in einem Hohenemser Elternhaus passierte, bleibt ein Rätsel. Die Polizei suchte dort nach dem 28-Jährigen, der aus der Justizanstalt Innsbruck geflüchtet war und sich in einer Abstellkammer versteckte. Als ihn die Beamten entdeckten, eskalierte – so steht es in der Anklage – die Situation. Der Flüchtige soll sich mit Händen und Füßen gewehrt, einen Polizisten am Hals gepackt, gewürgt und geschlagen haben. Sein 30-jähriger Bruder soll einen Beamten von hinten mit Faustschlägen gegen Körper und Kopf attackiert, am Hals umklammert und zu Boden gerissen haben. Am Ende sind zwei Polizisten verletzt.
Die Brüder erzählen eine andere Version. Seit Jahren habe er ein Kokainproblem, gesteht der 28-Jährige. An jenem Tag habe er „etwas Falsches konsumiert“, halluziniert und panische Angst um seine Familie bekommen. Auch seine Flucht aus der Haft bringt er damit in Verbindung. Im Elternhaus hätten ihn die Beamten überwältigt. Er habe sich befreit und sei aus dem ersten Stock geflüchtet. Erst als ihn die Polizei draußen mit Pfefferspray stoppte, setze seine Erinnerung wieder ein. Geschlagen habe er niemanden. Einen trotz Waffenverbots besessenen Teleskopschlagstock habe er freiwillig abgegeben. Er sei davon ausgegangen, das Verbot sei bereits aufgehoben. Auch sein Bruder räumt nur einen Teil ein: „Ja, es ist richtig, dass ich einem Polizisten die Hand weggeschlagen habe.“ Faustschläge bestreitet er. Er habe seinem Bruder lediglich helfen und einen Beamten wegziehen wollen.
Prozess vorerst vertagt
Die Polizisten wollen beim 28-Jährigen keine erkennbare Beeinträchtigung wahrgenommen haben. Der verweist hingegen auf seinen positiven Kokaintest. Damit steht auch eine mögliche Unzurechnungsfähigkeit im Raum, die durch ein Gutachten geklärt werden müsste. Ein Urteil fällt nicht. Die Brüder, die ohne Verteidiger vor Gericht stehen, wollen einen weiteren Polizisten befragen. Ausgerechnet dieser wichtige Zeuge ist entschuldigt nicht erschienen. Auch die Staatsanwaltschaft will ihn hören. Richter Theo Rümmele gibt dem Antrag statt und vertagt. Wer an jenem Märztag tatsächlich schlug, würgte oder nur wegzog, soll in der nächsten Verhandlung geklärt werden.
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