Es ist nicht die Sonne, die derzeit im weststeirischen Wies für erhitzte Gemüter sorgt. Das Schulzentrum soll mit einer begrünten Fassade klimafit gemacht werden – doch laut Bürgermeister Josef Waltl legt das Land Steiermark Stolpersteine in den Weg. Dort weist man die Vorwürfe zurück.
Der nächste Sommer kommt bestimmt und damit vermutlich auch eine neue Hitzewelle. In Wies herrscht aber bereits jetzt aufgeheizte Stimmung. Dabei hatte im Mai 2024 alles gut begonnen. An der südöstlichen Seite der Mittelschule und Erzherzog-Johann-Musikschule wurde mit der Fassadenbegrünung eine nachhaltige Maßnahme getroffen, um die Schüler und Lehrer vor brütender Hitze zu schützen.
Das Pilotprojekt – die Kosten in Höhe von 119.000 Euro wurden zu 60 Prozent von der EU gefördert – traf in der Folge auf internationales Interesse. „Wir hatten sogar Delegationen aus Deutschland und Südtirol bei uns“, so Bürgermeister Josef Waltl.
Ich verstehe einfach die Welt nicht mehr!
Josef Waltl
Kein grünes Licht aus Graz
Um die lokale Erfolgsgeschichte fortschreiben zu können, soll auch das übrige Schulzentrum klimafit gemacht werden. Doch: „Das Land Steiermark blockiert die EU-Förderung und sieht eine natürliche Beschattung einer Schule im ländlichen Raum weder notwendig noch prioritär“, ärgert sich Waltl.
Dabei habe sich die Leader-Schilcherland-Steuerungsgruppe für das Projekt ausgesprochen und es positiv beurteilt. „Das würde für uns eine Förderung seitens der EU im Umfang von maximal 250.000 Euro bedeuten. Doch leider gibt es dafür aktuell von der Abteilung 17 kein grünes Licht.“
Die Kosten für weitere vier Etappen der Fassadenbegrünung belaufen sich auf 564.000 Euro. „In dieser Summe sind auch Maßnahmen zur Nachtdurchlüftung enthalten“, erklärt der Wieser Ortschef. Im Schulzentrum gehen täglich über 400 Schülerinnen und Schüler sowie rund 60 Lehrkräfte ein und aus. „Es kann einfach nicht sein, dass man die Interessen der Kinder und hier arbeitenden Menschen vom Tisch wischt.“
Landesregierung: „Kein vertretbares Kosten-Nutzen-Verhältnis“
Prompte Unterstützung erhält die Gemeinde von den Landtags-Oppositionsparteien Grüne und NEOS. Im Land Steiermark, zuständig sind die politischen Büros von Stefan Hermann (FPÖ) und Manuela Khom (ÖVP), wird dem Vorwurf, man würde willkürlich über die Gewährung von Förderungen entscheiden, wird „entschieden entgegengetreten“.
Die Gemeinde habe mit der Projektumsetzung noch vor einer Förderzusage begonnen. Laut Bescheid der Bildungsdirektion seien die Fenster großflächig aus der Begrünung auszusparen, weshalb der Kühlungseffekt in den Klassen selbst fast nicht vorhanden sei. „Aus Sicht der Abteilung 17 steht das Projekt aufgrund diverser Fachgründe nach eingehender Prüfung in einem nicht vertretbaren Kosten-Nutzen-Verhältnis.“ Im Bescheid selbst wird festgehalten, „dass in den Sommermonaten Juli und August kein Unterricht stattfindet und die Schulgebäude in dieser wärmsten Periode des Jahres auch nicht klimatisiert werden müssen“.
„Sonst können wir nur mehr zivilrechtlich vorgehen“
„Wir führen ein Handbuch, arbeiten mit der BOKU Wien zusammen, haben zwölf Messstationen in den Klassen und wollen in Zukunft verstärkt auch heimische Pflanzen wie Hopfen oder Wilden Wein für die natürliche Beschattung nutzen“, will Waltl mit seiner Gemeinde alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die Wieser Schulen klimafit zu machen. Waltl hofft er auf ein Einlenken des Landes, „sonst können wir nur mehr zivilrechtlich vorgehen.“
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.