Ausstellungen in Graz

Rebellen der Popkultur und zersplitterte Welten

Steiermark
23.09.2026 20:00

Bunt ist nicht gleich bunt: Zwei Ausstellungen in Graz locken mit viel Farbe, aber höchst unterschiedlichen Ansätzen. Katherine Bernhardt zeigt in der Halle für Kunst pinke Pop-Kultur-Helden, Anja Korherr im Studio der Neuen Galerie surreale Räume.

Paulchen Panther, Bart Simpson, ET oder das Krümelmonster aus der Sesamstraße spielen im Werk von Katherine Bernhardt eine zentrale Rolle. Um diese (Anti-)Helden der populären Kultur sammeln sich höchst profane Gegenstände aus dem Alltag der Künstlerin, Diät-Coke-Flaschen, Zigaretten, Zahnbürsten Milchpackungen und jede Menge Enoki-Pilze, die sich mitunter wie Magic Mushrooms aufführen.

„Pink Panther: Enoki“ heißt das Großformat von Katherine Bernhardt.
„Pink Panther: Enoki“ heißt das Großformat von Katherine Bernhardt.(Bild: SARAH CARMODY)

Das alles bringt Bernhardt in ungewöhnlichen Farbkombinationen in einer nicht minder ungewöhnlichen Technik zusammen. So sprüht sie erst die Konturen auf die Leinwand, um die vorwiegend großformatigen Bilder dann auf den Boden zu legen und ihnen dort mit stark verdünnten Acrylfarben Leben einzuhauchen. Dabei fasziniert sie das Ineinanderfließen der kräftigen Farben ebenso wie der wilde Mix an optischen Reizen.

Liebt Pink: die US-amerikanische Künstlerin Katherine Bernhardt.
Liebt Pink: die US-amerikanische Künstlerin Katherine Bernhardt.(Bild: Wil Drisoll)

Der nicht gerade einfach zu lesende Titel der Ausstellung „Neonfarbblendluminanzwuchtgemäldenetzhautkollisionsgefahr“ erzählt eigentlich schon viel über die Idee hinter den Arbeiten. Die ungemeine Fülle, der Witz und die Prise Anarchie mit der Bernhardt Pop-Art, Neo-Expressionismus sowie postdigitale Malerei aufeinanderprallen lässt und daraus ihr ganz eigenes Universum schafft, macht diese erste Europa-Ausstellung der Künstlerin – kuratiert von Sandro Droschl – zum großen Schauvergnügen.

ETs Kosmos in der Apsis oder die Serie zum 100er von „Chanel Nr. 5“ sind den Besuch ebenso wert, wie das Butter-Gemälde oder die großformatigen Pokémon-Karten. Zu sehen ist die Ausstellung bis 10. 1. 2027, ein umfangreicher Katalog ist in Arbeit.

Neue Galerie Studio
Anja Korherrs surreale Räume

Aufwendig inszenierte und fotografierte Szenen sind die Basis für Anja Korherrs Arbeiten. Was in der Vorlage klar erkennbar und vertraut ist, verwandelt sich in ihrer Malerei durch den permanenten Perspektivwechsel und die ungewöhnlich leuchtenden Farben in surreale Räume und Szenen. Vielfach überlagerte Fragmente machen aus einem harmlosen Setting eine zersplitterte Welt, in der Zeit und Raum aufgehoben scheinen, Realität und Fiktion nicht mehr unterscheidbar sind.

Anja Korherr im Studio der Neuen Galerie: Ausstellungsansicht.
Anja Korherr im Studio der Neuen Galerie: Ausstellungsansicht.(Bild: UMJ/J. .J. Kucek)

Das alles setzt Korherr mit ausgefeilter Mal- und Zeichentechnik in Szene, wechselt dabei nicht nur gekonnt von einem Material ins andere, sondern auch die Formate. Als aufregend erweisen sich gerade ihre jüngsten Zeichnungen, die schwarz auf schwarz gehalten sind, und erst durch die Bewegung des Betrachters vor dem Bild sichtbar werden. Inhaltlich ähneln sie den Gemälden, formal sind sie deren absolutes Gegenteil.

Beeindruckend ist das Arbeitspensum von Anja Korherr, sind doch alle gezeigten Arbeiten in den vergangenen zwei Jahren entstanden. „Nightshifters“ läuft noch bis Ende Jänner 2027 bei freiem Eintritt im Studio der Neuen Galerie. Parallel sind ab 14. 10. in der Galerie Schnitzler und Lindsberger ihre „Daydrifters“ zu sehen.

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