Stockers Zukunftsdepot

Mehrheit befürwortet Steuerbonus für Privatanleger

Innenpolitik
23.09.2026 19:55

Österreich ist beim Wertpapiersparen Schlusslicht und das einzige Land in Europa ohne steuerliche Begünstigung für private Anleger. Auf realisierte Kursgewinne fällt hierzulande ab dem ersten Euro eine Kapitalertragsteuer von 27,5 Prozent an. Dabei befürworten mehr als 50 Prozent das von Kanzler Christian Stocker vorgeschlagene Zukunftsdepot.

Eine aktuelle Studie zum langfristigen Wertpapiersparen im europäischen Vergleich zeigt: Unter 32 untersuchten europäischen Staaten ist Österreich das einzige Land ganz ohne steuerliche Begünstigung für private Anleger. Auf realisierte Kursgewinne aus Aktien, ETFs und Fonds fällt hierzulande ab dem ersten Euro eine Kapitalertragsteuer von 27,5 Prozent an – unabhängig davon, wie hoch der Gewinn ist oder wie lange die Anlage gehalten wurde.

31 der 32 untersuchten Staaten kennen dagegen zumindest ein Instrument zur steuerlichen Entlastung: Die Modelle reichen von begünstigten Spar- und Anlagekonten (etwa in Deutschland, Schweden oder Norwegen) über Behaltefristen und Freibeträge bis zur allgemeinen Steuerfreiheit privater Kursgewinne.

Laut Aktienbarometer 2026 investieren rund 1,5 Millionen Menschen in Österreich mit einem Einkommen von weniger als 3000 Euro. Wertpapiere sind damit längst keine Spielwiese nur für Superreiche, Investieren ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Langfristiger Vermögensaufbau ist für 81 Prozent, private Pensionsvorsorge für 62 Prozent der Befragten ein zunehmend wichtiges Thema.

Große Mehrheit für steuerliche Anreize
Laut einer Umfrage von Peter Hajek Public Opinion Strategies im Auftrag des Aktienforums befürworten 53 Prozent der Österreicher die Einführung eines sogenannten Zukunftsdepots, mit dem Eltern für ihre Kinder unter 18 Jahren steuerfrei in Aktien, Anleihen, ETFs und Investmentfonds ansparen könnten. Noch deutlicher fällt die Zustimmung zur grundsätzlichen steuerlichen Begünstigung der privaten Pensionsvorsorge mit Wertpapieren aus: 71 Prozent halten das für eine gute Idee.

Die Industriellenvereinigung begrüßt den Vorstoß von Kanzler Stocker und fordert eine rasche Umsetzung. In weiterer Folge solle auch über weitere Anreize in Form von Anlagekonto, Behaltefrist oder Freibetrag diskutiert werden. „Die Industrie steht auf der Seite all jener – auch vieler junger Menschen –, die ihre Vorsorge selbst in die Hand nehmen und dafür den Kapitalmarkt aktiv nutzen wollen“, so IV-Präsident Georg Knill.

IV-Präsident Knill fordert rasche Umsetzung des Zukunftsdepots.
IV-Präsident Knill fordert rasche Umsetzung des Zukunftsdepots.(Bild: Reinhard Holl)

Zudem gehöre das staatliche Pensionssystem entlastet, die zweite und dritte Säule gestärkt. „Beide sind hierzulande dramatisch unterentwickelt. Das Tragen von Risiko für die private Pensionsvorsorge und der langfristige Vermögensaufbau gehören belohnt. Die Bevölkerung ist hier deutlich weiter als die Politik.“

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