Landestagsabgeordneter und Festspiel-Kuratoriumsmitglied Hans Scharfetter gab der „Krone“ einen Blick hinter die Kulissen von Salzburgs bedeutendstem Kulturfestival. Außerdem verriet er, warum ihn persönlich die Spitzenpolitik nie gereizt hat.
„Krone“: Herr Scharfetter, es freut mich, dass es mit einem Essen geklappt hat – trotz hektischer Phase bei der Salzburger ÖVP und bei den Festspielen. Sie sitzen dort seit 13 Jahren im Kuratorium.
Hans Scharfetter: Ja, aber das ist kein Verdienst. Ich bin einfach das am längsten dienende Mitglied. In den Bereich Kultur bin ich mit der Zeit reingerutscht. Angefangen habe ich eigentlich als Aufsichtsratsvorsitzender bei den Osterfestspielen. Und dann auch noch gleich zum Zeitpunkt eines großen Skandals (Ex-Osterfestspiel-Chef Michael Dewitte und der ehemalige technische Direktor der Festspiele, Klaus Kretschmer, haben seinerzeit sechsstellige Euro-Beträge in die eigenen Taschen geschleust, Anm. d. Red.).
Oje, da erscheint das Tohuwabohu um Markus Hinterhäuser ja direkt klein im Vergleich...
Sehr klein sogar. Das kann man in keinster Weise miteinander vergleichen. Das war damals ein Kriminalfall. Jetzt war es Ziel, jemanden zu finden, der auch Sozialkompetenz zu seinen Stärken zählt. Die Festspiele haben Weltgeltung. Und da ist es nur nachvollziehbar, dass der Anspruch der Festspiele ist, in der obersten Liga zu spielen. Für die nächsten Jahre galt es nun geeignete Führungskräfte zu finden, die neben dem künstlerischen Programm auch den Umbau kompetent begleiten können. Und ich sage auch bewusst: Diese Phase muss die neue Führung als Chance sehen können. Um beispielsweise neues Publikum zu gewinnen, oder um neue und ungewöhnliche Spielstätten auszuprobieren.
Wie kann man sich so einen Auswahlprozess konkret vorstellen?
Alles begann mit der öffentlichen Ausschreibung. Wir haben viele hochkarätige Bewerbungen aus der ganzen Welt erhalten. Dann haben wir in den Hearings gewisse Punkte ausgetestet. Es war zum Beispiel die Frage sehr entscheidend, wie in den nächsten Jahren mit der schwierigen Situation der Interimslösung während des Umbaus umgegangen wird. Und auch – das klingt jetzt ein bisschen pathetisch -, ob die Seele der Festspiele verstanden wird. Was macht Salzburg wirklich aus? Was ist der Gründungsmythos? Worauf kommt es an? Wie vernetzt ist jemand in der Kulturbranche?
Wie viel verdient man dann, wenn man in all diesen Punkten überzeugen konnte?
Das ist eine absolute Spitzenposition verbunden mit hohen Erwartungen. Das Gehalt liegt im Rahmen der bisherigen Vergütung für künstlerische Intendanten.
Neuer Intendant geworden ist nun Peter de Caluwe. Kristina Hammer wurde als Präsidentin verlängert. Eine schwierige Entscheidung, wie man vernommen hat?
Peter de Caluwe ist eine herausragende Persönlichkeit im europäischen Kulturbetrieb und bereits vielfach ausgezeichnet. Seine bisherige Arbeit war außergewöhnlich erfolgreich und ich bin fest davon überzeugt, sie wird auch in Salzburg sehr erfolgreich sein. Seine Bestellung ist – auch wenn es einige behaupten – definitiv keine Verlegenheitslösung, ganz im Gegenteil. Kristina Hammer ist im Bereich des Sponsorings in den letzten Jahren sehr viel gelungen. Ihre Aufgabe als Repräsentantin der Festspiele nach außen erfüllt sie aus meiner Sicht sehr gut.
Hans Scharfetter wurde am 4. Juli 1962 in Schwarzach im Pongau geboren. Er besuchte die Tourismusfachschule in Salzburg-Kleßheim, studierte Kommunikations- und Politikwissenschaften. Seit 2002 führt er die Scharfetter Betriebe GmbH (Gastronomie, Vermietung, Land- und Forstwirtschaft). 2004 zog der Vater von vier Kindern als Abgeordneter in den Salzburger Landtag ein. Er war und ist mehrfaches Aufsichtsratsmitglied (ua. Salzburg AG, Salzburger Land Tourismus).
Ihr Leben besteht aber nicht nur aus den Festspielen. Sie sind Unternehmer und auch politisch aktiv. Wie kam’s?
Die Chance, Dinge mitgestalten zu können, hat mich an der Politik gereizt. Das in einem Land wie Salzburg tun zu können, mit so vielen Möglichkeiten, sehe ich als großes Privileg.
In die Spitzenpolitik wollten Sie aber nie?
Es hätte schon die Möglichkeit dazu gegeben. Aber ich bin wirklich sehr gerne Unternehmer und auch Bauer und bringe lieber meine unmittelbare, berufliche Erfahrung in die Politik mit ein. Außerdem verschafft der Zivilberuf einem Unabhängigkeit. Und man darf auch nicht vergessen: Als Unternehmer trägt man große Verantwortung. Ich habe in meinen Betrieben rund 100 Mitarbeiter. Da kann ich mich nicht einfach so aus dem Staub machen (lacht).
Ihre Kinder sind aber schon als Nachfolger in den Betrieben aktiv und könnten Ihnen dort unter die Arme greifen?
Ja, mit meinen beiden Söhnen habe ich eine gute Arbeitsaufteilung. Anders geht’s ohnehin nicht. Voraussetzung war und ist bei mir immer gewesen, dass meine Familie bei allem mitspielt. Weil, es geht natürlich alles, was ich beruflich mache, zulasten der Familienzeit. Für diese Unterstützung bis zum heutigen Tag bin ich sehr dankbar.
Haben Sie eigentlich auch noch Freizeit?
Bis vor ein paar Jahren nicht. Aber irgendwann ist die Erkenntnis doch gereift, mir einen Ausgleich zu suchen. Durch Zufall bin ich zum Laufen gekommen. Heute bin ich begeisterter Trail-Runner und nehme auch an Wettbewerben teil.
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