Bis jetzt galt es als gut gehütetes Geheimnis: Der Salzburger Landesrat und ehemalige ÖVP-Kronprinz Stefan Schnöll wird schon demnächst in die Wirtschaft wechseln und der Politik den Rücken kehren. Für den Wahlkampf von Landeshauptfrau Karoline Edtstadler ein schwerer Rückschlag.
Offiziell wollte, wie in derartigen Fällen üblich, bis zuletzt niemand etwas sagen. Erst nach einer für Montag einberufenen Sitzung der Salzburger ÖVP sollten das Fußvolk der Partei und die Öffentlichkeit informiert werden: Stefan Schnöll wird die Politik verlassen.
Nachdem die „Krone“ den Rückzug aber Samstagnachmittag publik machte, bestätigte die Partei zwei Stunden später den Abgang. Damit verliert Landeshauptfrau Edtstadler das vielleicht beliebteste und wegen zahlreicher Zuständigkeiten wichtigste Mitglied der Landesregierung.
Projekte von Feind und Freund torpediert
Nun: Aufmerksamen Beobachtern war Schnölls Amtsmüdigkeit nicht entgangen. Spätestens seitdem vor allem seine eigenen Parteifreunde in seltener Einmütigkeit mit den politischen Mitbewerbern das jahrelang vorbereitete S-Link-Projekt final versenkten, musste der Verkehrslandesrat einsehen, dass Veränderungen nahezu unmöglich sind.
Kaum ein Vorhaben, das nicht von irgendeiner Interessensgruppe torpediert wird: einmal aus dem linken Lager, einmal aus dem konservativen Eck. Das hat den für einen Politiker ungewöhnlich feinnervigen Juristen zermürbt.
Dennoch soll man im Chiemseehof bis zuletzt gehofft haben, dass Schnöll bis zu den Landtagswahlen im Frühjahr 2028 durchhalten werde. Tatsächlich gab es noch die Kulturpolitik, an der Stefan Schnöll Gefallen gefunden hatte. Doch die immer massiveren budgetären Zwänge und möglicherweise auch das Schlamassel rund um die Personalfragen bei den Salzburger Festspielen könnten ihm noch die letzte Freude am politischen Geschäft verdorben haben.
Für Salzburgs ÖVP ist Schnölls Abgang ein schwerer personeller Verlust. Nicht nur wegen dessen Erfahrung. Als eine der größten Stärken Schnölls gilt seine hohe soziale Intelligenz und sein verbindendes diplomatisches Geschick in fast alle Lager: Er kann mit der SPÖ, den Neos und den Grünen ebenso gut wie mit den Freiheitlichen unter Marlene Svazek. Über diese Gabe verfügen nur wenige von seinen Parteifreunden.
Ehefrau und Kinder wichtiger als Politik
Wegen dieser Fähigkeiten hatte ihn wohl auch Salzburgs früherer Landeshauptmann Wilfried Haslauer als Kronprinzen im Auge. Das galt als fix. Dann überwarf sich Edtstadler in Wien mit Alt-Kanzler Karl Nehammer samt Gattin, Magnus Brunner und nicht sie erhielt den EU-Kommissionsposten und Edtstadler kehrte nach Salzburg zurück.
Kurz darauf entschied sich Schnöll, dass seine Frau und ihre beiden Kinder wichtiger wären als die politische Karriere. Eine Entscheidung, die Stefan Schnöll nicht bereut hat.
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