Nach dem Überraschungserfolg von „Bruckners Affe“ schlagen Autorin Karin Peschka, Komponist Rudolf Jungwirth und Regisseur Joachim Rathke erneut gemeinsam zu: Mit „Casparus oder fünf Knöpfe aus Bein“ bringen sie den oberösterreichischen Bauernkrieg von 1626 packend auf die Bühne.
Keine Freiheitskämpfer, keine Kaiser oder Feldherren, sondern namenlose Frauen, Männer und Kinder wollen für ihren Glauben kämpfen. Andere ducken sich oder suchen Vorteile... Das wird in „Casparus oder fünf Knöpfe aus Bein“ erzählt, die Uraufführung fand in Wilhering statt.
Regisseur Joachim Rathke ordnet diese Haltungen zunächst als Erzähler historisch sachlich ein, bevor sich szenische Perspektiven auf das Schicksal einfacher Menschen auftun. Fünf Knöpfe aus Bein, als jeweils einzige Habe dieser Mittellosen, bilden den roten Faden im Gewebe aus Historischem und Fiktion.
Prediger als Anführer
Karin Peschkas Text greift auch zurück auf die wissenschaftlich gesicherte Existenz des Studenten Casparus aus Passau, der 1626 die Bauern mit flammenden Reden mobilisierte und zum Anführer wurde. Die Leerstellen seiner Biografie füllt die Autorin mit vier fiktiven Predigten von sprachlich großer Wucht.
Eindringliche musikalische Ebene
Komponist Rudolf Jungwirth verwandelt diese Reden in ein Oratorium. Das exzellente Ensemble „Lezard aux Plumes“ gibt den Texten eine ergreifende musikalische Dimension. Die Gesänge von Solistin Judith Rammerstorfer zeigen die mitreißende, aber auch gefährliche Macht von Worten.
Knöpfe sind der roten Faden
Nora Dirisamer verkörpert in vier Rollen Frauen, deren Leben von Elend und Hoffnungslosigkeit gezeichnet ist, aber auch von Auflehnung und aktivem Widerstand. Peter Woy steht als Spielball der Mächtigen für die Ohnmacht der Ausgelieferten, für eine Verzweiflung, aus der unbändiger Zorn erwächst.
Die Uraufführung setzte ein starkes Zeichen im Rahmen der communale „400 Jahre Oberösterreichischer Bauernkrieg“. Langer Applaus für das künstlerisch vielschichtige Bauernkriegsgemälde. Heute Abend (18. 9.) ist es noch einmal in der Evangelischen Kirche in Eferding zu sehen.
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