Neuer Eltern-Kind-Pass

Auch Übergangslösung sorgt nun für Ärzte-Aufstand

Innenpolitik
17.09.2026 08:30

Der digitale Eltern-Kind-Pass wurde extra verschoben. Doch nun sorgt ausgerechnet die Übergangslösung für Alarm bei den Ärzten. Ab 1. Oktober startet nämlich ein neues Untersuchungsprogramm, zentrale Fragen sind aber weiterhin offen. Und die Leidtragende sind Mütter und ihre Kinder.

Der digitale Eltern-Kind-Pass wurde um ein Jahr verschoben, um einen Fehlstart zu verhindern. Doch auch die angedachte Übergangslösung droht laut Ärztekammer im absoluten „Chaos“ zu enden. Brisant sind zwei Schreiben, die der „Krone“ vorliegen.

Das Gesundheitsministerium informierte den Projektbeirat und damit die Ärzte über den neuen Ablauf erst vor wenigen Tagen. Für die zusätzlichen Untersuchungen wurde ein eigenes Zusatzheft entwickelt. Gleichzeitig soll die elektronische Zentralplattform bereits ab 1. Oktober bereitstehen und Daten verarbeiten dürfen – obwohl die verpflichtende Einführung des elektronischen Passes erst am 1. Oktober 2027 kommt.

„Zahlreiche Fragen sind nicht geklärt“
Darauf reagierte die Ärztekammer intern alarmiert: Die Unterlagen seien „ohne Rücksprache mit der Österreichischen Ärztekammer“ ausgesendet worden. „Weiterhin sind zahlreiche Umsetzungsfragen nicht geklärt“, heißt es in einem Schreiben an die Mitglieder, das der „Krone“ vorliegt.

Und die Fragen betreffen unmittelbar die Kinder und Mütter. Wiens Kurienobfrau Naghme Kamaleyan-Schmied zur „Krone“: „Wenn ein jahrelang vorbereitetes Prestigeprojekt unmittelbar vor dem Start in eine improvisierte analoge Zwischenlösung kippt, läuft etwas grundsätzlich falsch.“

Zitat Icon

Daraus ist nun ein „Wir werden schon irgendwie improvisieren“ geworden.

Naghme Kamaleyan-Schmied, Kurienobfrau Wien

Was bekommen Eltern ab 1. Oktober tatsächlich in die Hand? Welche Unterlagen müssen für das Kinderbetreuungsgeld vorgelegt werden? Und ganz grundsätzlich: Gibt es überhaupt genug gedruckte Pässe? Schon im Juli hatte Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker vor einem übereilten Start gewarnt. Er sprach damals von einem „Big-Bang-Szenario“. Kamaleyan-Schmied: „Daraus ist nun ein ,Wir werden schon irgendwie improvisieren‘ geworden.“

Staatssekretärin versteht den Ärger
Bei der zuständigen Staatssekretärin Königsberger-Ludwig kommt die Kritik an. „Ich verstehe den Ärger über die Verschiebung. Unser Gesundheitswesen hat bei der Digitalisierung dringenden Aufholbedarf, und dieses Projekt dauert bereits viel zu lange. Aber wir können es uns nicht leisten, das Vertrauen in den elektronischen Eltern-Kind-Pass zu gefährden, weil er in der Praxis nicht verlässlich funktioniert“, so Königsberger-Ludwig zur „Krone“. 

Und sie versichert: „Für Eltern und Ärzte ist klar: Der bestehende Eltern-Kind-Pass bleibt gültig. Ab 1. Oktober wird es einen erweiterten analogen Pass geben, in dem auch die neuen Untersuchungen und Beratungen dokumentiert werden können.“

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