Die zwei großen Eisschilde der Erde in Grönland und der Antarktis haben in den vergangenen knapp 50 Jahren mehr als elf Billionen Tonnen Eis verloren – und so den Meeresspiegel bis 2023 um 3,14 Zentimeter ansteigen lassen.
Polarforscher der Ice Sheet Mass Balance Intercomparison Exercise (IMBIE) haben 42 einzelne Erhebungen betrachtet, die sich auf die Daten von 27 Satelliten-Missionen stützen. Ihr Ziel war es, ein konsistentes Bild davon zu bekommen, wie sich die Eisschilde über die Jahrzehnte verändert haben. Konkret haben sie sich angeschaut, wo genau wie viel Eis verloren ging und wie stark der Prozess sich beschleunigt hat.
Das Resultat: Seit den 1990er-Jahren hat der Eisverlust deutlich zugenommen.
Ein Großteil des Eisschwunds kam dabei nicht von oben. „Mehr als vier Fünftel des Eisverlusts wurde durch schneller strömende Gletscher in den Ozean abgegeben und ist nicht an der Oberfläche geschmolzen“, so Co-Autorin Inès Otosaka von der britischen Northumbria Universität. „Das sagt uns, dass der langfristige Trend von der dynamischen Antwort der Eisschilde auf einen sich erwärmenden Ozean getrieben wird.“
Die Eisschilde haben einen enormen Einfluss auf den Anstieg des Meeresspiegels. Der europäischen Raumfahrtbehörde ESA zufolge, die die Untersuchung unterstützte, sind Grönland und die Antarktis für etwa ein Viertel des steigenden Meeresspiegels verantwortlich. Die übrigen grob drei Viertel gehen auf das Konto der schmelzenden Gebirgsgletscher und vor allem der thermischen Ausdehnung des wärmeren Meerwassers.
Bis zu neun Millionen Menschen gefährdet
Der bisherige Beitrag der Eisschilde zum steigenden Meeresspiegel ist beachtlich. „Etwas mehr als drei Zentimeter Anstieg des Meeresspiegels mag nach wenig klingen, aber dies setzt weitere sechs bis neun Millionen Menschen der Gefahr von Überflutungen und Erosion an der Küste aus“, so Andrew Shepherd von der Northumbria Universität.
In den letzten Jahren der Untersuchung, zwischen 2020 und 2023, ist der Verlust von Eis etwas langsamer geworden. Die Fachleute warnen allerdings, dass dies keine Umkehr des langfristigen Trends ist. Die Eisschilde verlieren weiter mehr, als sie wachsen würden.
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