Hohes Insolvenz-Niveau

Heuer gingen schon fast 600 Unternehmen pleite

Oberösterreich
16.09.2026 12:30

Knapp 600 Unternehmen mussten in den ersten drei Quartalen des Jahres in Oberösterreich Insolvenz anmelden – die Anzahl der Pleiten bleibt damit auf hohem Niveau. Besonders betroffen sind der Handel, die Bauwirtschaft sowie die Gastronomie.

Exakt 599 Unternehmen gingen in den ersten drei Quartalen des heurigen Jahres in Oberösterreich pleite, wie eine Hochrechnung des Gläubigerschutzverbandes KSV1870 zeigt. Das sind mehr als drei Firmenpleiten pro Gerichtstag und in etwa gleich viele (minus 0,8 Prozent) wie im Vorjahreszeitraum. Die Anzahl der Insolvenzen bleibt damit auf hohem Niveau. „Die schwache Konjunktur, die verhaltene Konsumnachfrage und hohe Kosten belasten die oberösterreichischen Betriebe und schwächen die wirtschaftliche Substanz vieler Unternehmen“, erklärt der KSV die vielen Insolvenzen.

Besonders besorgniserregend: Von den Pleiten waren 3030 Dienstnehmer betroffen – das entspricht einem Anstieg von rund 18 Prozent. Die Anzahl der Gläubiger ist hingegen um 15 Prozent auf 8500 gesunken. Insgesamt haben die insolventen Unternehmen aus Oberösterreich in den ersten drei Quartalen rund 291 Millionen Euro an Schulden angehäuft.

Abgewiesene Verfahren werden immer mehr
Noch eine Entwicklung ist zu beobachten: Bei bereits 45 Prozent aller Firmenpleiten konnte das Insolvenzverfahren mangels Kostendeckung nicht eröffnet werden, das heißt den Unternehmen fehlte in diesen Fällen sogar das Geld für die Verfahrenskosten. „Wenn die Anzahl der nicht eröffneten Verfahren steigt, steigen die finanziellen Verluste der Gläubiger noch weiter“, warnt Petra Wögerbauer, Chefin des KSV1870 in Linz. Das dürfte zum Teil daran liegen, dass mit der Insolvenzeröffnung oft zu lange gewartet wird.

Handel, Bau und Gastro besonders betroffen
Besonders viele Insolvenzen gab es in Oberösterreich heuer im Handel (131 Fälle), in der Bauwirtschaft (89) sowie bei Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben (76). Wögerbauer erklärt das so: „Der Handel ist von der sinkenden Kaufkraft und Konsumzurückhaltung besonders betroffen. Die Bauwirtschaft hat mit hohen Material- und Energiekosten und höheren Personalkosten zu kämpfen“ – zudem würden die öffentlichen Bauaufträge aufgrund des Spardrucks zurückgehen. Und der Gastronomie würden weiterhin hohe Betriebs- und Lohnkosten zu schaffen machen.

Österreichweit verzeichnete der KSV in den ersten drei Quartalen 5139 Unternehmensinsolvenzen – auch das sind in etwa gleich viele wie im Vorjahreszeitraum. Wien führt das Ranking mit etwas mehr als 1900 Fällen naturgemäß an.

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