Zum neuen Album „Bass Persuades“ legt Miley Cyrus ihren berühmten Nachnamen ab. Die 33-Jährige hat sich in zwei Jahrzehnten immer wieder neu erfunden – vom Disney-Star zur Popikone. Wir haben das jüngste Werk genauer unter die Lupe genommen und blicken auf die wichtigsten Stationen ihrer Karriere zurück.
Was haben Cher, Beyoncé, Prince oder Madonna gemeinsam? Ganz genau, sie alle sind Weltstars und ihnen genügt ein einziger Name. Nun reiht sich Miley Cyrus in diesen illustren Kreis ein. Seit zwei Jahrzehnten prägt die heute 33-Jährige die Musikszene. Einst als Disney-Star gefeiert, gilt sie längst als eine der wandelbarsten Popikonen ihrer Generation. Nun scheint ihr selbst der berühmte Nachname zu viel: Auf Instagram, ihrer Website und rund um ihr neues Album „Bass Persuades“ präsentiert sie sich nur noch als MILEY. Das erst vor wenigen Wochen angekündigte Werk ist bereits ihre zehnte Studio-Platte und markiert den Beginn einer neuen Ära.
Papa Billy Ray nimmt die Namenskürzung gelassen. Für ihn sei sie der natürliche Schritt eines Superstars – immerhin habe er seine Tochter immer nur Miley genannt. Geboren wurde die Sängerin nämlich als Destiny Hope Cyrus, ihr heutiger Vorname entstand aus dem Kindheitskosenamen „Smiley“.
Kein Schulmädchen mehr und die ersten Grammys
Aus dem fröhlichen Mädchen wurde schon bald ein gefeiertes Teenie-Idol: 2006 gelang ihr als „Hannah Montana“ der große Durchbruch. Vier Jahre später machte sie mit „Can’t Be Tamed“ jedoch unmissverständlich klar, dass ihr braves Image ausgedient hatte. Spätestens als sie für „Wrecking Ball“ nackt auf einer Abrissbirne schwang, war von Hannah Montana endgültig nichts mehr übrig. Provokante Auftritte, knappe Outfits und das Rauchen auf der Bühne gehörten plötzlich ebenso zu Miley Cyrus wie ihre Musik und ihre unverwechselbare tiefe raue Stimme. Doch ausgerechnet diese bereitete ihr immer wieder Probleme: 2019 musste sie sich an den Stimmbändern operieren lassen, ein Reinke-Ödem und ein Polyp erschweren ihr bis heute längere Auftritte. Aufhalten ließ sie sich davon aber nicht. Zwei Grammys für „Flowers“ und zahlreiche Verwandlungen später sind wir im Hier und Jetzt angekommen: Mit „Bass Persuades“ schlägt Miley Cyrus nicht einfach das nächste Kapitel auf, sondern zieht musikalisch einmal quer durch ihre eigene Vergangenheit – und nimmt von jeder Phase etwas mit.
Schon der Titelsong schiebt ordentlich an: satter Bass, elektronische Beats und viel Dancefloor. Ein Song, bei dem man unweigerlich an große Popmomente denkt – ein bisschen Lady Gaga, ein bisschen Michael Jackson, aber trotzdem unverkennbar Miley. „Different Religion“ geht danach in eine ganz andere Richtung. Rockiger, dunkler, verruchter. Der Beat drückt, die Stimme liegt stellenweise fast gefährlich über dem Song – irgendwo zwischen Lana Del Rey und den düsteren Klangwelten einer Billie Eilish
Love is in the Air
Dann plötzlich: Ruhe. „Let’s Get Married“ ist ein Liebessong durch und durch – warm, weich und so unaufgeregt schön, dass man am liebsten die Augen schließt. Das zeitgleich mit dem Album veröffentlichte Video zeigt Miley auch mit ihrem Partner Maxx Morando. In Schwarz-Weiß erzählen die Bilder von ihrer Liebe und der anderer Paare. Auch „Orbit“ bleibt in dieser verträumten Welt. Die Melodie schwebt, ihr Gesang wird ganz sanft. Wenn sie von Schwerelosigkeit und dem Kreisen um einen geliebten Menschen singt, braucht es keine große Geste mehr – ihre Stimme allein geht unter die Haut. Gerade in diesen leisen Momenten ist Cyrus besonders stark und bietet großes Gefühlskino! „Aftermath“ zieht das Tempo wieder an, bleibt inhaltlich aber schwer. Es geht um das Nachbeben einer Beziehung, um verlorene Nähe und die Frage, ob der andere noch genauso zurückblickt. Musikalisch bekommt der Song deutlich mehr Zug und bricht damit die ruhige Mitte der Platte auf.
Rote Lichter und nicht ohne meine Schwester
Mit „REDLIGHTS“ gehen schließlich endgültig wieder die Lichter auf der Tanzfläche an. Elektronisch, treibend, ein wenig gefährlich – und trotzdem überraschend melodisch. Genau so ein Song, bei dem man sofort Neonlichter, Nacht und eine viel zu schnelle Autofahrt vor Augen hat. Dieses Bild bleibt auch bei „Neon Signs“ mit Andrew Wyatt hängen: Fenster runter, Großstadtlichter, laute Musik und einfach viben.
Der Song „Innocent Ways“ zieht das Tempo noch einmal an – auch hier poppiger, druckvoller und näher an dem, was der Albumtitel verspricht. Textlich wird es persönlich. Miley singt von einer Schwester, von Krisen und dem Wunsch, sie zu beschützen – und davon, welche Spuren Ruhm und Erwachsenwerden hinterlassen können. Ob sie dabei eine ihrer eigenen Schwestern meint, bleibt offen.
Zum Schluss nimmt „Snow“ den Fuß wieder vom Gas. Sanft und melancholisch klingt der letzte reguläre Song aus, bevor der Remix des Titelsongs noch einmal daran erinnert, wo diese Platte begonnen hat: beim Bass. Das Spannende an „Bass Persuades“ ist dabei gerade, dass nichts so recht zusammenpassen müsste – und trotzdem alles zusammengehört. Pop, Rock, Elektro, Clubsound und Balladen wechseln sich ständig ab. Der rote Faden ist ihre Stimme. Mal rau, mal lasziv, mal beinahe zerbrechlich – aber immer sofort erkennbar. Und vielleicht ist genau das die größte Veränderung: Der US-Star muss diesmal keine alte Version von sich zerstören, um eine neue zu erschaffen. Die Rockröhre darf neben dem Popstar stehen und die Provokateurin neben der verletzlichen Sängerin.
Fazit: Das zehnte Werk ist keine Neuerfindung – sondern das musikalische Zusammenführen all jener Mileys, die wir über die Jahre kennengelernt haben. Mal laut, mal leise, mal sexy, mal verletzlich. Dass sie längst in der Liga der ganz Großen spielt, muss sie dabei niemandem mehr beweisen. Dafür reicht inzwischen tatsächlich ein Name!
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