Fans und Melzers Wahl

Diese Faktoren können den Davis Cup entscheiden

Tennis
18.09.2026 20:01

Mit 1:1 geht es in den Davis-Cup-Samstag zwischen Österreich und Belgien. Zwei Punkte braucht es noch für den Sieg. „Die letzten drei Matches sind fast alles nahezu 50:50-Partien“, glaubt Kapitän Jürgen Melzer. Welche Faktoren können dabei entscheiden?

Das Doppel ist der Punkt, den Österreich vielleicht etwas dringender braucht als die Gäste. Weil Lucas Miedler und Neil Oberleitner noch nie auf Profi-Ebene gemeinsam gespielt haben, die routinierten Sander Gille und Joran Vliegen ebenfalls auf der ATP Tour nicht mehr als Duo unterwegs sind, ist dieses Match eine gewisse Unbekannte. Die jungen Österreicher waren in den letzten Monaten besser unterwegs. „Ich würde das als 55:45-Partie für uns einstufen“, meint Melzer. 

Miedler und Oberleitner hatten eine Woche, sich einzuspielen, sind überzeugt, das ihnen das gelungen ist. „Ich hoffe, dass mich der Luki mit seiner Erfahrung gut mitnimmt“, ist Oberleitner vor seiner Davis-Cup-Premiere optimistisch. Da bei Gegner Belgien Vliegen zuletzt angeschlagen war, könnte es hier auch zu einer überraschenden Nominierung seitens Kapitän Steve Darcis kommen.

Lucas Miedler (li.) und Neil Oberleitner.
Lucas Miedler (li.) und Neil Oberleitner.(Bild: APA/GEORG HOCHMUTH)

Punkt im Doppel würde Jurij Druck nehmen
Der Doppelpunkt wäre insofern für Österreich auch wichtig, weil Jurij Rodionov im folgenden Duell der Nummer-1-Spieler der jeweiligen Länder dann gegen den Weltranglisten-38. Zizou Bergs etwas weniger Druck hätte. Und dann agiert der 27-Jährige bekanntlich immer stärker. Der tiefe Sand, wiewohl gar nicht Rodionovs liebster Belag, könnte helfen. „Es war nicht einfach, mich nach den letzten Wochen wieder auf Sand zu adaptieren“, erklärte  Bergs seine Anlaufprobleme beim freitägigen 2:6, 6:4, 6:2 gegen Lukas Neumayer. 

Für Melzer wiederum ist Rodionov gegen Bergs eine komplett andere Partie als das Match-Up von Neumayer gegen Belgiens Topmann. „Weil Jurij Linkshänder ist, ganz anders spielt als Neumi“, meint Melzer. Rodionov wird gegen Bergs freilich ebenfalls Außenseiter sein. „Aber Neumi hat gezeigt, dass Bergs zu schlagen ist“, nimmt Melzer das Positive aus dem zweiten Einzel mit. „Jurij wird viel laufen, auf seinem besten Niveau spielen müssen, aber dann kann er ihn packen.“

Taktische Frage für Melzer
Die spannendste Frage beantwortete Österreichs Davis-Cup-Kapitän noch selbst seinen Spielern Freitagabend intern. Wer würde das entscheidende Einzel spielen? „Ich nehme an, dass Belgien Kimmer Coppejans statt Gauthier Onclin nominieren wird“, versuchte Melzer, sich in sein Gegenüber Darcis hineinzufühlen. Was logisch wäre. Denn Coppejans hat gegen Neumayer eine 2:0-Bilanz. Stellt Melzer dennoch den Salzburger auf oder vertraut er auf den Debütanten Joel Schwärzler?

Vertraut Jürgen Melzer (re.) im entscheidenden Einzel auf Routinier Lukas Neumayer (li.)?
Vertraut Jürgen Melzer (re.) im entscheidenden Einzel auf Routinier Lukas Neumayer (li.)?(Bild: GEPA)

Beides hat seine Pros. Für Neumayer spricht einfach seine Erfahrung im Davis Cup, in dem er so oft über sich hinausgewachsen ist. „Bei den beiden Niederlagen gegen Kimmer habe ich nicht gut gespielt. Wenn es hier wieder zu dem Match kommt, kann ich ihn auf jeden Fall schlagen“, ist der 24-Jährige überzeugt. Melzer, der viel Wert auf Match-Ups legt, traut Schwärzler aber auch zu, bei seinem Davis-Cup-Debüt groß aufzuspielen. An Selbstvertrauen mangelt es dem 20-jährigen Vorarlberger nicht. Das weiß Melzer als dessen Ex-Coach genau. „Ich glaube, Joel wäre in der Lage, auch unter diesen Bedingungen, sein bestes Tennis zu spielen. Der wird nicht überdrüber nervös sein, sondern seine Leistung bringen.“

Bekommt Joel Schwärzlers Unbekümmertheit ihre Chance?
Bekommt Joel Schwärzlers Unbekümmertheit ihre Chance?(Bild: Mazovia Open)

Das Zünglein an der Waage könnten freilich die Fans sein. Schon Freitag machten rund 3500 Zuschauer beste Stimmung, darunter allerdings auch belgische. Von der Atmosphäre war auch Belgiens Kapitän Darcis angetan: „Es ist beachtlich, was man hier inszeniert hat. Vor allem wenn man bedenkt, dass es schon Freitag mittags anfing.“ Am Samstag wird es wohl noch lauter, vielleicht gibt das den Ausschlag für Österreich.

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