Kanada strebt eine „einzigartige Allianz“ mit der Europäischen Union an, will jedoch kein Mitglied des Staatenbundes werden, wie Premier Mark Carney erklärte. Ansporn für eine engere Bindung zwischen Kanada und der EU ist Streit mit US-Präsident Donald Trump.
„Wir wollen kein Mitglied der Europäischen Union werden“, sagte Carney am Sonntag in Toronto vor Journalisten. „Was wir anstreben – und worüber wir Gespräche aufnehmen werden – ist eine einzigartige Allianz zwischen Kanada und der Europäischen Union.“ Beide Seiten teilten die gleichen Werte und Prioritäten und hätten sich ergänzende Stärken.
Streit mit Trump
Mit seinen Worten reagierte Kanadas Regierungschef auf einen Bericht der Zeitung „Wall Street Journal“. Demzufolge prüfe er, ob Kanada zwecks einer engeren Anbindung an die EU ein „assoziiertes Mitglied“ werden könne. Hintergrund der Annäherung ist der eskalierende Handelsstreit Kanadas mit den USA. Die Beziehungen zwischen Ottawa und Washington haben sich seit dem Amtsantritt von Trump im vergangenen Jahr deutlich verschlechtert.
Trump erneuerte am Sonntag seine Kritik und nannte Kanada „den schwierigsten Verhandlungspartner“. Er glaube jedoch, das Land „brenne darauf, eine Einigung zu erzielen“. Der US-Präsident bekräftigte seine Absicht, ab dem 1. Jänner neue Zölle auf Autos, Lastwagen und Autoteile aus Kanada zu erheben.
EU sucht neue Partner
Auch die EU hat in den Vereinigten Staaten unter Trump keinen verlässlichen Verbündeten mehr und sucht nach neuen Partnern. Laut dem Bericht ist daher nun auch offen für einen neuen solchen Status. In der Vergangenheit hatte sich die Union bei ihren Beitrittsregeln wenig flexibel gezeigt. Assoziierungsabkommen für eine engere politische und wirtschaftliche Kooperation ohne Mitgliedschaft hat die EU bereits mit einigen Ländern wie der Ukraine, Georgien und Israel.
Dem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge erörtern Kanada und die EU, wie sie den freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen und Arbeitskräften in strategischen Lieferketten wie Energie, KI, Verteidigung und kritischen Rohstoffen ermöglichen können. Zudem sei der gemeinsame Bau von Infrastruktur wie Unterseekabeln, Rechenzentren und neuen Satellitennetzwerken im Gespräch.
Carney spricht vor EU-Parlament
Carneys Büro bestätigte, dass der Premierminister in der kommenden Woche nach Frankreich und Großbritannien reisen und eine Rede vor dem Europäischen Parlament halten wird. Am 20. September ist zudem ein Treffen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron geplant.
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