Brucknerfest Linz

Maja Haderlap: Scharfe Kritik am Umgang mit KI

Oberösterreich
13.09.2026 14:45

Künstliche Intelligenz KI greife „umstürzlerisch“ in unser Leben ein, analysierte Maja Haderlap im Rahmen der Eröffnung des Linzer Brucknerfestes. Sie ruft Europa zu mehr Eigenständigkeit bei KI auf. Politiker kamen ebenfalls zu Wort, sogar Andreas Babler war angereist.

Der Festakt zur Eröffnung des Internationalen Brucknerfestes gilt in Linz als großer gesellschaftlicher Höhepunkt. Für den musikalischen Rahmen sorgte das Oberösterreichische Jugendsinfonieorchester unter der Leitung der schwedischen Dirigentin Kajsa Boström. Auch Bariton Rafael Fingerlos begeisterte. Am Programm stand Bruckner, schwedische Lieder sowie zwei Uraufführungen – „Circus Maximus“ von Thomas Doss und „Scherzo cantabile“ von Guter Waldek. Standing Ovations für das Musikalische!

Die Probleme unserer Zeit
Als Festrednerin bekam heuer die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin Maja Haderlap das Wort. Sie hielt eine beeindruckende Rede, in der sie sowohl unseren Umgang mit dem Klimawandel als auch mit Künstlicher Intelligenz (KI) haarscharf analysierte.

Bariton Rafael Fingerlos; das Oberösterreichische Jugendsinfonieorchester unter der Leitung der ...
Bariton Rafael Fingerlos; das Oberösterreichische Jugendsinfonieorchester unter der Leitung der schwedischen Dirigentin Kajsa Boström(Bild: Reinhard Winkler)

KI öffnet anti-demokratischen Mächten die Türen
So würde KI nicht nur umstürzlerisch in unser politisches, kulturelles und soziales Leben eingreifen, unsere „KI-Gläubigkeit“, die nur großen Konzernen zu Macht verhelfe, habe vielmehr die Dimensionen eines „Antichristen“ angenommen. Denn Social Media und die marktschreierische Anbetung von KI als Lösung aller Probleme „verschlagen uns Sprache und Mitgefühl“. Auch wäre Klimaschutz dadurch bisher blockiert worden.

Sie betonte: „Europa hat keinen Grund, vor falscher Ehrfurcht zu erstarren, es muss die technologische Handlungsfähigkeit in den wichtigsten Bereichen der gesellschaftlichen Organisation an sich ziehen, um nicht zur politischen und kommerziellen Kolonie einzelner aufgerüsteter Oligarchenstaaten zu werden.“

Damit fand Haderlap schlüssige und klare Worte, die das Brucknerfest, das sich das Motto „endlich!“ gibt, zu einem überregional bedeutenden Festival machen.

Zitat Icon

Europa hat keinen Grund, vor falscher Ehrfurcht zu erstarren, es muss die technologische Handlungsfähigkeit an sich ziehen.

Maja Haderlap

Auch die Politik kam zu Wort
Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler schwärmte für Linz als Ort, in dem Wandel erfolgreich vollzogen worden sei. Es gebe sowohl das „Stahlwerk“ als auch das „Brucknerhaus“. Er schlug aber auch den Bogen zur großen Politik, die etwa beim Thema Klimawandel und KI endlich handeln müsse.

„Wir Politikerinnen und Politiker sollten den Anspruch haben, Weichen zu stellen, deren Wirken über unsere eigene Zeit hinausreicht“, so der Vizekanzler. „Wir müssen es jetzt angehen. Und wenn wir es nicht tun, wissen wir, ist es zu spät.“

Keine Kulturmittel-Kürzung mit Stelzer
Landeshauptmann Thomas Stelzer richtete den Blick auf die „visionäre Kraft der Kultur“ und ihre Notwendigkeit, um Gemeinschaft zu bilden. „Kultur bringt Menschen zusammen“. Zudem gab er die Zusicherung ab, im Kulturbereich „weiterhin nicht mit Kürzungen und nicht mit Sparprogrammen zu agieren“.

Brucknerfest mit Franz Welser-Möst
Bürgermeister Dietmar Prammer plädierte für mehr Optimismus im Hinblick auf die Zukunft der Stadt Linz im Klimawandel. Kulturstadträtin Doris Lang-Mayrhofer richtete den Fokus auf die Stadt als florierender Kultur-Hotspot.

Das Klassikfestival dauert bis zum 30. September. Neunzehn Veranstaltungen im Brucknerhaus und an weiteren Schauplätzen der Stadt Linz stehen auf dem ersten Programm unter dem neuen künstlerischen Leiter Norbert Trawöger. Zum Abschluss gastieren am 11. Oktober, dem 130. Todestag Bruckners, Franz Welser-Möst und sein Cleveland Orchestra im längst ausverkauften Brucknerhaus.

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