Linzer Klangwolke

Weltuntergang als Spektakel: „Tsunami“ in Linz

Oberösterreich
12.09.2026 21:45

Die spektakulärste Nacht des Jahres in Linz: Die Klangwolke begeisterte im Donaupark Tausende Besucher. Und man kehrte zu den Wurzeln zurück: Es gelang ein bombastisches Klang- und Musikspektakel! Das Bruchner Orchester fuhr auf einem Schiff, eine Mega-Leinwand zeigte ein visionäres Video: Linz wird darin von Feuer und Fluten verschlungen.

In den vergangenen Wochen wurde angekündigt, dass bei der diesjährigen Linzer Klangwolke der Weltuntergang zelebriert wird. Und genau das geschah am Samstagabend – allerdings auf poetische, beeindruckende Art.

Mit „ATTheENDLinz“ verwandelte Regisseur Felix Breisach die Donaulände in eine gigantische Bühne. Zu Beginn herrschte noch Idylle: Die St. Florianer Sängerknaben sangen Bruckners Locus iste vom Dach des Brucknerhauses. Dann läuteten die Glocken, ein Donnerschlag zerriss die Stille. Die Apokalypse begann.

Im Mittelpunkt stand ein gigantisches Schiff, das auf der Donau vor dem Brucknerhaus auf und ab fuhr. Darauf das Bruckner Orchester Linz unter der Leitung von Markus Poschner, Bruckner wurde gespielt. Und: Der Fokus der Klangwolke war dann doch eine 42 Meter breite und 15 Meter hohe Leinwand, die ebenfalls am Schiff aufragte.

Der Donner von Anton Bruckner
Im Film wurde der Untergang von Linz inszeniert: In einer rasanten KI-Animation wurden bekannte Fassaden und Gebäude der menschenleeren Stadt zunächst von Feuer und anschließend von Wassermassen wie bei einem Tsunami verschlungen. Dazu erklang die donnernde Wucht von Bruckners Neunter Symphonie. Ein unglaublich intensives Musikerlebnis! Damit kehrte die Klangwolke zu ihren Wurzeln zurück.

Das Schiff wurde immer wieder von kleineren Booten flankiert, die ebenfalls mit Bildschirmen ausgestattet waren. Sie steuerten zusätzliche Bilder sowie Farbstimmungen bei. Hinzu kamen fliegende Displays, die von Drohnen getragen wurden.

(Bild: Horst Einöder/Flashpictures)

Lichtshow, Kratzen, Quietschen
Ein Fächer aus Laserstrahlen durchzog den Donauraum bis zum Pöstlingberg, zerriss immer wieder die Skyline von Urfahr. Zwischen donnernden Orchestermassen und berührenden stillen Momenten entfaltete sich eine Apokalypse, die niemanden kalt ließ.

Musikalisch wurde das Klassische immer wieder von Klangexperimenten zwischen Bratsche und Sounddesign abgelöst. Musikerin Flora Marlene Geißelbrecht verwob gemeinsam mit dem Klangkünstler Arthur Fussy in einer Live-Performance historische und zeitgenössische Klangwelten zu einem großen Ganzen. Auch das fügte sich hervorragend in das Gesamtkonzept ein.

Dazu kam die eindringliche Lesung von Natascha Gangl, Preisträgerin des Ingeborg-Bachmann-Preises. Ihre Worte wirkten, als würden sie von einer KI-Stimme gesprochen. Manchmal waren sie eindringlich und treffend, manchmal blieben sie rätselhaft und unpassend.

Sänger und Pianist auf Hebebühne
Zu den Höhepunkten des Abends zählte der Auftritt von Bariton Rafael Fingerlos: Auf einer 15 Meter hohen Hebebühne vor dem Brucknerhaus, begleitet von Pianist Marcus Merkel, steuerte er Lieder und damit auch eine sehr persönliche Perspektive bei. Zutiefst berührende Momente!

Letztlich wandte sich die Apokalypse auch im Video der Hoffnung zu. Die „Retter“ der Menschheit sind die Pflanzen: Ein grüner Keimling eroberte im Zeitraffer die zerstörte Stadtlandschaft, so wie einst die Cooksonia vor rund 400 Millionen Jahren als erste Pionierin den Planeten besiedelte.

Linz in der „Schneekugel“
Doch dann folgte der überraschende Schnitt: Linz – so wie man es kennt - erschien kurz in einer gläsernen „Schneekugel“, wie ein Souvenir, und tauchte im nächsten Moment wieder ganz unversehrt auf. Apokalypse ade! Alles nur ein Traum.

Insgesamt gelang mit der Klangwolke ein audiovisuelles Gesamtkunstwerk voller Wucht, Poesie und Überraschungen. Lediglich der Schluss wirkte nicht ganz ausgefeilt.

Das schmälert jedoch kaum den Eindruck eines Abends, den man gesehen haben musste und der das Publikum staunen, nachdenken und mitfühlen ließ. Bravo!

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