Am Hauptspielort in der Herzogburg St. Veit feierte das Vitus Theater 30 Bestandsjahre natürlich spielerisch und mit der gleichermaßen tiefgängigen wie sehenswerten Eigenproduktion „Heute werde ich bei Frau Priml läuten“.
Viele ihrer vielfältigen Produktionen wären auf Profibühnen bestens aufgehoben! Und wie souverän diese unerschütterlichen Theaterenthusiastinnen seit 30 Jahren auf der Klaviatur der Gefühle und des Intellekts spielen, straft den Begriff Laienensemble Lügen. Vom Gründertrio (Monika Thomaschütz, Linda Springer, Tina Klimbacher) über die Jahre generationenübergreifend zum Sextett angewachsen, heben die „Vitusinen“ am Freitag vor ausverkauftem Haus eine Jubiläumsproduktion aus der Taufe, die mit dem brandaktuellen Thema Einsamkeit in den Mikrokosmos eines archetypischen Mehrparteienhauses und seiner Bewohner geht – um in feinnerviger Regie von Monika Thomaschütz viele Facetten und Gründe sozialer wie emotionaler Vereinsamung lebensnahe zu beleuchten.
Text und Musik aus der Vitus-Theaterwerkstatt
Vom ersten Dialog bis zur letzten Komposition kommt diese gehaltvolle Bestandsaufnahme eines omnipräsenten gesellschaftlichen Problems als Ensemble-Entwicklung aus der Vitus-Theaterwerkstatt daher. Und Requisiten brauchen es nur wenige, um Verlust von Sozialkompetenz, digitale Ersatzfreunde, Zurückgezogenheit im Alter oder Isolation durch männliche Gewalt in ein abgedunkeltes Bühnensetting mit sechs verschiebbaren Türrahmen (Andres Klimbacher) einzubetten, die Grenzen markieren und Möglichkeiten eröffnen.
Schwerer Stoff mit Witz und Sensibilität
Großartig und lachtränentreibend Tina Klimbacher als nervige Nachbarin und aufdringlicher Flurspitzel, stimmig gebrochen vom „schweren“ Stoff, den Linda Springer und Sigrid Gamisch zwischen Witz und Resignation auf altersdepressive bis überbeschäftigte Pensionistenebene führen, während Musikerinnen Corina Kuhs und Jana Thomaschütz der Stille, die sich in alles hineinfrisst, melancholische Eigenkompositionen entgegenhalten und auch schauspielerisch gute Figur machen. Grandios Julia Herzog als isoliertes Gewaltopfer, mehr als verdient Jubel und stehende Ovationen. Noch am 17., 18., 19. September in der Herzogburg St. Veit, am 3. Oktober auf Kultur.Gut.Portendorf (Magdalensberg) zu Gast: Infos: vitus-theater.at
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