Manchen gilt der Mundart-Teil in Deutschkursen als Marotte, Kursteilnehmer selbst fordern ihn aber vehement ein. Denn: 53,5 Prozent der Zuwanderer meiden bereits Alltagssituationen, weil das Gegenüber Dialekt statt Hochdeutsch spricht. Das Gefährliche daran: Der Rückzug aus dem echten Leben bremst die Integration aus.
Der Deutschkurs ist geschafft. Doch dann kommt der Alltag – und mit ihm der Dialekt in Öffis, im Geschäft oder am Arbeitsplatz. Für viele Flüchtlinge wird genau der zur Sprachbarriere. Eine neue Befragung des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) legt offen, wie groß die Lücke zwischen Deutschkurs und der Straße sein kann.
80,6 Prozent geben selbst an, Standarddeutsch sehr oder eher gut zu sprechen. Trotzdem haben 66,4 Prozent der Befragten häufig Probleme mit österreichischem Dialekt. Besonders dramatisch: 53,5 Prozent haben bereits Alltagssituationen gemieden, weil das jeweilige Gegenüber Dialekt gesprochen habe. Das Ergebnis: Einwanderer ziehen sich zurück – pures Gift für eine erfolgreiche Integration.
Am Land fällt Unterschied offenbar noch mehr auf
Das Problem betrifft die Lebensrealität vieler. 51 Prozent begegnet Dialekt in Öffis, 45,3 Prozent bei der Arbeit oder Jobsuche, 45,1 Prozent beim Einkaufen und 44,7 Prozent in der Nachbarschaft. Löblich: Bei Ärzten, Behörden oder in der Schule hören sie ihn deutlich seltener.
Am geringsten wird der Unterschied zwischen Dialekt und Standarddeutsch übrigens in Wien (63,1 Prozent) wahrgenommen. In Nieder- und Oberösterreich nehmen 76 Prozent aller Befragten einen sehr/eher starken Unterschied wahr, während es in den restlichen Bundesländern 76,6 Prozent sind.
Vier von fünf wollen Dialekt im Kurs
Der Wunsch nach Abhilfe ist eindeutig. 85 Prozent würden es begrüßen, neben Hochdeutsch auch Mundart zu verstehen, mehr als die Hälfte will sie sogar selbst sprechen können.
Der ÖIF reagierte bereits: Seit April rücken die neuen Deutschkurse ab Niveau B1 gezielt regionaler Sprachvarianten in den Fokus. Es zeigt sich: Integration passiert im Bus, im Geschäft, am Arbeitsplatz und beim Nachbarn. Und dort spricht Österreich eben nicht nur Hochdeutsch.
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