Die Freyung steht bereits: Die Gesetze sind nun anders, gefeiert wird ähnlich: von 26. September bis 5. Oktober. Blicke zurück in die Geschichte des ältesten Volksfestes Kärntens.
Vor dem St. Veiter Rathaus kündigt die Freyung den bald beginnenden Wiesenmarkt an: 14 Tage vor dem Volksfest stellen Volkstumsgemeinschaft St. Veit, die EMV-Stadtkapelle und die Trabanten in einem feierlichen Akt die ausgestreckte Hand mit dem Schwert auf; am Samstag das 663. Mal!
Königsfrieden durch das Holzschwert
Diese Freyung soll fairen Handel und Königsfrieden, also den Schutz von Leib, Leben und Habe, garantieren – seit dem Jahr 1362, als Herzog Rudolf der Stadt das Marktprivileg verlieh. Zwei Wochen vor und zwei Wochen nach Michaeli – das war die Zeit, in der dieser Markt in St. Veit abgehalten werden durfte. Und das gilt heute noch, denn Michaeli ist am 29. September – übrigens der Tag, an dem einst mit dem Bierbrauen begonnen wurde, war doch die Hitze des Sommers vorbei.
Wer einst in der Freyungszeit gegen einen anderen die Waffe zog, dem konnte die Hand abgeschlagen werden – oder er zahlte ein viermal höheres Strafgeld.


Die Gesetze sind nun anders, man verlässt sich auch nicht nur auf die Freyung, sondern setzt auf Polizei und Security, doch gefeiert wird ähnlich: gern im Trachtengewand, immer ausgelassen, oft mit Nervenkitzel auf den Fahrgeschäften, mit langjährigen Freunden und neuen Bekanntschaften, denn der Wiesenmarkt bringt die Leute zusammen.
Wirte und Krämer sind an das rechte Maß und Gewicht verpflichtet, falsche Münze wird an Leib und Gut gestraft...
Aus dem alten Marktrecht
Viele nehmen sich extra Urlaub für die Wiesenmarktzeit, um dort zu feiern oder auch zu arbeiten. Manch ein aus St. Veit Weggezogener macht zum Volksfest Heimaturlaub, denn schon als Kind haben viele die freudige Aufregung erlebt, Autodrom, Karussell und wildere Fahrten genossen; viele denken beim Begriff Wiesenmarkt auch an die erste Liebe. Manche wollen dort das beste Lederfett, den schönsten Emailletopf oder eine neue geblümte Kittelschürze kaufen.
Kauf oder Verkauf von Waren ist vor dem Gottesdienst verboten... Kein Wirt darf über 9 Uhr hinaus auswärtige Gäste in den Schenken spielen oder sitzen lassen.
Das alte Marktrecht war streng
Immer noch geht es auf dem Wiesenmarkt um die Wirtschaft, doch wurde einst mit Rindern und Pferden gehandelt, gibt es heute Traktoren, mobile Sägewerke, Autos und mehr zu kaufen. An mehr als 160 Marktständen werden Handwerkskunst, Textilien, Haushaltswaren und Süßes feilgeboten. Bei 40 Gastronomiebetrieben können sich die Besucher stärken.
Gassenkegeln war in all den Jahrhunderten beliebt auf dem St. Veiter Wiesenmarkt; auch heute noch, denn zum 24. Mal organisiert der Verein Schaubude am Wiesenmarktareal die „Alternative Wies’n“.




Freyung steht bis 5. Oktober
Zehn Tage wird gehandelt, gebummelt, gebusselt und gefeiert. Bis am 5. Oktober um 19 Uhr die Freyung wieder feierlich eingeholt wird; feiern können die Besucher am letzten Tag noch bis 1 Uhr – die Erlebnisse sollen zumindest bis zum 664. Wiesenmarkt starke Erinnerungen bleiben.
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