St. Veiter Wiesenmarkt

Zehn Tage Gaude und G‘schäfte unter der Freyung

Kärnten
13.09.2026 16:01

Die Freyung steht bereits:  Die Gesetze sind nun anders, gefeiert wird ähnlich: von 26. September bis 5. Oktober. Blicke zurück in die Geschichte des ältesten Volksfestes Kärntens.

Vor dem St. Veiter Rathaus kündigt die Freyung den bald beginnenden Wiesenmarkt an: 14 Tage vor dem Volksfest stellen Volkstumsgemeinschaft St. Veit, die EMV-Stadtkapelle und die Trabanten in einem feierlichen Akt die ausgestreckte Hand mit dem Schwert auf; am Samstag das 663. Mal!

Königsfrieden durch das Holzschwert
Diese Freyung soll fairen Handel und Königsfrieden, also den Schutz von Leib, Leben und Habe, garantieren – seit dem Jahr 1362, als Herzog Rudolf der Stadt das Marktprivileg verlieh. Zwei Wochen vor und zwei Wochen nach Michaeli – das war die Zeit, in der dieser Markt in St. Veit abgehalten werden durfte. Und das gilt heute noch, denn Michaeli ist am 29. September – übrigens der Tag, an dem einst mit dem Bierbrauen begonnen wurde, war doch die Hitze des Sommers vorbei.

Wer einst in der Freyungszeit gegen einen anderen die Waffe zog, dem konnte die Hand abgeschlagen werden – oder er zahlte ein viermal höheres Strafgeld.

Hoch hinaus beim Hutschen – auf der Schaukel.
Hoch hinaus beim Hutschen – auf der Schaukel.(Bild: Uta Rojsek-Wiedergut)
Ohne Freyung kein Markt – das war schon immer so.
Ohne Freyung kein Markt – das war schon immer so.(Bild: Picasa)
An Standln und über Bauchläden wurde verkauft.
An Standln und über Bauchläden wurde verkauft.(Bild: Stadt St. Veit)
Emailletöpfe: Damals üblich, heute wieder modern.
Emailletöpfe: Damals üblich, heute wieder modern.(Bild: Stadt St. Veit)
Kettenkarussell: Seit jeher ein beliebtes Fahrgeschäft.
Kettenkarussell: Seit jeher ein beliebtes Fahrgeschäft.(Bild: Stadt St. Veit)
Fröhlich, trachtig, manchmal sogar verliebt auf dem Wiesenmarkt.
Fröhlich, trachtig, manchmal sogar verliebt auf dem Wiesenmarkt.(Bild: Stadt St. Veit)
Ein Gedränge um die Standln auf dem Wiesenmarkt um 1905.
Ein Gedränge um die Standln auf dem Wiesenmarkt um 1905.(Bild: Stadt St. Veit)
Rinder verkaufen und kaufen: ein wichtiger Grund, auf den Wiesenmarkt zu gehen! Hier eine ...
Rinder verkaufen und kaufen: ein wichtiger Grund, auf den Wiesenmarkt zu gehen! Hier eine Erinnerung an die Zeit um 1930.(Bild: Stadt St. Veit)
Hölzerne Standln mit Fetzendachln – so viel hat sich gar nicht geändert. Doch der Markt ist ...
Hölzerne Standln mit Fetzendachln – so viel hat sich gar nicht geändert. Doch der Markt ist heute viel größer als um 1895.(Bild: Stadt St. Veit)
Etwas fahren, einen Luftballon und ein Lebkuchenherz kaufen, Leute treffen, feiern: Auch wenn ...
Etwas fahren, einen Luftballon und ein Lebkuchenherz kaufen, Leute treffen, feiern: Auch wenn sich die Mode ändert, was am Wiesenmarkt gemacht wird, bleibt gleich.(Bild: Stadt St. Veit)
Eine frühere Hochschaubahn.
Eine frühere Hochschaubahn.(Bild: Stadt St. Veit)
Jedermann kam zum Wiesenmarkt.
Jedermann kam zum Wiesenmarkt.(Bild: Stadt St. Veit)

Die Gesetze sind nun anders, man verlässt sich auch nicht nur auf die Freyung, sondern setzt auf Polizei und Security, doch gefeiert wird ähnlich: gern im Trachtengewand, immer ausgelassen, oft mit Nervenkitzel auf den Fahrgeschäften, mit langjährigen Freunden und neuen Bekanntschaften, denn der Wiesenmarkt bringt die Leute zusammen.

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Wirte und Krämer sind an das rechte Maß und Gewicht verpflichtet, falsche Münze wird an Leib und Gut gestraft...

Aus dem alten Marktrecht

Viele nehmen sich extra Urlaub für die Wiesenmarktzeit, um dort zu feiern oder auch zu arbeiten. Manch ein aus St. Veit Weggezogener macht zum Volksfest Heimaturlaub, denn schon als Kind haben viele die freudige Aufregung erlebt, Autodrom, Karussell und wildere Fahrten genossen; viele denken beim Begriff Wiesenmarkt auch an die erste Liebe. Manche wollen dort das beste Lederfett, den schönsten Emailletopf oder eine neue geblümte Kittelschürze kaufen.

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Kauf oder Verkauf von Waren ist vor dem Gottesdienst verboten... Kein Wirt darf über 9 Uhr hinaus auswärtige Gäste in den Schenken spielen oder sitzen lassen.

Das alte Marktrecht war streng

Immer noch geht es auf dem Wiesenmarkt um die Wirtschaft, doch wurde einst mit Rindern und Pferden gehandelt, gibt es heute Traktoren, mobile Sägewerke, Autos und mehr zu kaufen. An mehr als 160 Marktständen werden Handwerkskunst, Textilien, Haushaltswaren und Süßes feilgeboten. Bei 40 Gastronomiebetrieben können sich die Besucher stärken.

Gassenkegeln war in all den Jahrhunderten beliebt auf dem St. Veiter Wiesenmarkt; auch heute noch, denn zum 24. Mal organisiert der Verein Schaubude am Wiesenmarktareal die „Alternative Wies’n“.

Die Marktfreyung wird alljährlich 14 Tage vor Beginn des Wiesenmarktes aufgestellt.
Die Marktfreyung wird alljährlich 14 Tage vor Beginn des Wiesenmarktes aufgestellt.(Bild: Stadt St. Veit)
A Herzerl als Kirchte vom Wiesenmarkt!
A Herzerl als Kirchte vom Wiesenmarkt!(Bild: Uta Rojsek-Wiedergut)
An die 450 Märkte werden jährlich in Kärnten abgehalten, kleine und große, und auf vielen ...
An die 450 Märkte werden jährlich in Kärnten abgehalten, kleine und große, und auf vielen garantiert die Freyung Recht und Ordnung – auch in St. Veit. Bürgermeister Martin Kulmer und Martkreferentin Vizebürgermeisterin Silvia Radaelli mit der Freyung.(Bild: Stadtgemeinde St. Veit)
Gemütliche Fahrten für kleine Kinder, wilde Mutproben für die großen Besucher: Der Wiesenmarkt ...
Gemütliche Fahrten für kleine Kinder, wilde Mutproben für die großen Besucher: Der Wiesenmarkt bietet jedem etwas!(Bild: Uta Rojsek-Wiedergut)
Lei nix fladan! Zahlreiche Fieranten bieten allerlei Waren an – Auf dem Wiesenmarkt und auf dem ...
Lei nix fladan! Zahlreiche Fieranten bieten allerlei Waren an – Auf dem Wiesenmarkt und auf dem Flohmarkt.(Bild: Uta Rojsek-Wiedergut)
Diese Jetons sorgen für Vorfreude, für ein Kribbeln im Magen, für Freudenschreie: Mit ihnen kann ...
Diese Jetons sorgen für Vorfreude, für ein Kribbeln im Magen, für Freudenschreie: Mit ihnen kann man den Nervenkitzel auf den Fahrgeschäften genießen!(Bild: Uta Rojsek-Wiedergut)
Riesenrad: Weithin sichtbar und eines der Symbole für den Wiesenmarkt.
Riesenrad: Weithin sichtbar und eines der Symbole für den Wiesenmarkt.(Bild: Uta Rojsek-Wiedergut)
Die Freyung von Klagenfurt wurde, so haben es die Recherchen des Hobbyhistorikers und Autors ...
Die Freyung von Klagenfurt wurde, so haben es die Recherchen des Hobbyhistorikers und Autors Reinhold Gasper ergeben, 1793 angefertigt und diente als Vorlage für die St. Veiter Freyung, die zuvor verloren gegangen war.(Bild: Stadtarchiv St. Veit)

Was? Wann? Wo?

  • Der 663. St. Veiter Wiesenmarkt beginnt mit dem großen Festumzug am Samstag, 26. September (10 Uhr), vom Bahnhof über den Hauptplatz zum Wiesenmarkt-Areal am Rennbahngelände. Rund 1700 Umzugsteilnehmer präsentieren eine Vielfalt von Trachten, Brauchtum und Volkstanz; bejubelt von gut 10.000 Zuschauern.
  • Zehn Tage und Nächte wird auf dem Wiesenmarkt gefeiert, also heuer bis 5. Oktober um 1 Uhr. In der Zeit werden rund 150.000 Liter Bier ausgeschenkt, 20.000 Hendln und etwa 50.000 Würste verspeist.
  • Alternative Wies‘n: Zum 24. Mal organisiert der Verein Schaubude die alternative Wies‘n mit Gassenkegeln und allerlei ruhiger Unterhaltung für Jung und Alt.
  • Im Ausstellungsgelände beginnt der Markt jeweils um 7 und endet um 18 Uhr.
  • Der Flohmarkt am Parkplatz der Blumenhalle hat täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet.
  • Die Wirtschaftsschau in der Blumenhalle hält ihre Türen jeweils von 10 bis 18 Uhr offen.
  • Dienstag ist Familien- und Seniorennachmittag.
  • Mittwoch gibt es ab 21 Uhr ein Feuerwerk. Falls es regnet, ist Donnerstag, 1. Oktober, der Ersatztermin.

Freyung steht bis 5. Oktober

Zehn Tage wird gehandelt, gebummelt, gebusselt und gefeiert. Bis am 5. Oktober um 19 Uhr die Freyung wieder feierlich eingeholt wird; feiern können die Besucher am letzten Tag noch bis 1 Uhr – die Erlebnisse sollen zumindest bis zum 664. Wiesenmarkt starke Erinnerungen bleiben.

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