Ars Electronica

Die Große Konzertnacht zwischen Labor und Klasse

Oberösterreich
12.09.2026 13:30

Ein Highlight der Linzer Ars Electronica ist die Große Konzertnacht. Sie fand heuer am Freitag im Posthof statt. Zwischen Klangexperiment, gesellschaftlichem Statement und meditativer Klaviermusik wurde das Publikum mit ungewöhnlichen Hörerlebnissen herausgefordert. Grandios versöhnlich: Maki Namekawa spielte Philip Glass.

Die Große Konzertnacht im Linzer Posthof bot heuer faszinierende Einblicke in die Vielfalt zeitgenössischer Musik.

„Pulse“ von Daniel Haas verband Stroboskope und Sinustöne. Wie wirkt ein lauter, reiner Ton auf den Körper? Wie zerteilt Licht die Zeit? Welche Wirkung haben Geräusche, die an MRT-Untersuchungen und Schützengräben erinnern, die man mit Ohrstöpseln hört und zugleich in den Eingeweiden spürt? Blitzlichtgewitter und abwechselnd absolute Dunkelheit bestimmten die Szenerie.

Ein Kammerton, der den Menschen erdet
Ganz unangenehm war das allerdings nicht. Lag es daran, dass der Kammerton A auf 432 Hertz gestimmt war, der angeblich mit Erde und Mensch harmoniert? Im Begleittext war sogar von möglichen Bewusstseinsveränderungen die Rede. Viele Besucher blieben jedenfalls fasziniert sitzen.

Widerliche Machtspiele
Ein „3D-Audio-Space-Oratorium“ nennt Brigitta Muntendorf ihr Werk „Orbit“, in dem das Zusammenspiel von Macht und sexualisierter Gewalt thematisiert wird. Elektronische Klänge, teils wie Bombenschläge, erzeugten eine bedrückende Atmosphäre. Dazu kamen Wortfragmente missbrauchter Frauen und Mädchen – sehr aufwühlend.

(Bild: Tom Mesic)

Kunst ist ein offenes Gebiet
Aber ob das Musik oder ins Genre Konzert passt, darüber lässt sich diskutieren. Sicher ist jedoch, dass Musik nicht nur trösten und erfreuen, sondern auch verstören darf. Kunst hat politische und gesellschaftliche Aufgaben zu erfüllen, sie kann Themen sichtbar machen, die uns alle betreffen.

Die beste Glass-Interpretin live
Versöhnlicher wirkte dagegen die Stunde mit Musik von Philip Glass, interpretiert von der wohl besten Glass-Interpretin, Maki Namekawa, am Bösendorfer-Flügel. Dazu kamen Visualisierungen von Cori O‘Lan, alias Gerfried Stocker, auf drei großen Bildschirmen, deren Geschwindigkeit von der Live-Musik gesteuert wurde.

Unter dem Titel „Polaris“ erklangen Kompositionen des Amerikaners sowie Bearbeitungen und Arrangements von Michael Riesman, längst zu zeitlosen Soundtracks unserer Gegenwart geworden. Thematisiert wurden menschliche Beziehungen zwischen Polen und Gegensätzen, aber auch die Möglichkeit, nach einem Fixstern zu suchen.

Danach stand noch zeitgenössische Musik bis 4 Uhr früh auf dem Programm.

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