Erste Unglück-Details

Zu schnell, zu zögerlich: Amazon-Piloten im Fokus

Ausland
09.09.2026 17:19
Porträt von krone.at
Von krone.at

Erste Ermittlungsergebnisse haben die Piloten des verunglückten Amazon-Frachtflugzeuges in den Fokus gerückt. Aufgezeichneten Daten zufolge reihte sich beim Landevorgang in Miami ein Fehler an den anderen. 

Die US-Flugsicherheitsbehörde NTSB schließt nach ersten Erkenntnissen menschliches Versagen nicht aus. Bei dem Unglück am Sonntag kamen fünf Menschen ums Leben, als der Amazon-Jet über die Landebahn hinausschoss, einen Zaun durchbrach und zwei Autos rammte.

Ein Protokoll der letzten Sekunden offenbart eine fatale Kette von Fehlentscheidungen im Cockpit. Laut Ermittlern hatten die Piloten den Jet beim Aufsetzen nicht vollständig unter Kontrolle. Offenbar versuchten sie, die Landung im allerletzten Moment abzubrechen, um noch einmal durchzustarten – überlegten es sich dann aber wieder anders. Soll heißen: Sie bremsten, gaben erneut Gas und bremsten dann wieder.

Viel zu schnell und zu spät
Dieses Zögern kostete hunderte Meter rettende Piste und wertvolle Sekunden. NTSB-Ermittler Chihoon Shin präsentierte die letzten 30 Sekunden des Datenschreibers (siehe Tweet unten). Bereits das Aufsetzen war hochproblematisch: Mit 293 km/h berührten zunächst nur das Bug- und das rechte Hauptfahrwerk den Boden – laut Ermittlern viel zu schnell.

Erschwerend hinzu kam, dass der Jet erst 1200 Meter jenseits der Bahnschwelle und damit fast in der Mitte der Piste landete. Erst sieben Sekunden später bremsten die Piloten. Vier Sekunden danach setzte schlussendlich auch das linke Fahrwerk auf.

Bremssysteme nicht aktiviert
Shin fügte hinzu, dass die aufgezeichneten Daten zudem keine Hinweise darauf enthielten, dass Schubumkehr und die Störklappen gegriffen hätten. Diese Systeme werden bei der Boeing 767 im Normalfall automatisch aktiviert, sobald das Hauptfahrwerk auf beiden Seiten am Boden ist. Die US-Flugsicherheit lehnte Spekulationen darüber ab, warum die Bremsassistenz nicht ausgelöst wurde.

Es würden nun weitere Flugdaten und andere verfügbare Beweismittel ausgewertet, um die Unfallursache zu ermitteln, teilten Vertreter der Behörde mit. Die Piloten werden am Mittwoch befragt, und die Ton-Aufzeichnungen aus dem Cockpit würden im Anschluss der Befragung veröffentlicht werden.

Behördenchefin Jennifer Homendy erklärte, der 55-jährige Kapitän des Fluges habe im Mai die Lizenz für diesen Jet erhalten und bis März rund 7100 Flugstunden absolviert. Der 37-jährige Erste Offizier habe die Lizenz für den Jet im vergangenen Jahr erworben und bis zum vergangenen Monat mehr als 2600 Flugstunden vorgewiesen. 

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