Horror in Marchtrenk

Profilerin nach Tat: „Sie war für ihn kein Mensch“

Österreich
09.09.2026 19:59

Profilerin Patricia Staniek über die Psyche des Oberösterreichers, der seine Frau zu Tode missbraucht und an weitere Männer für abartigste sexuelle Handlungen verkauft haben soll: „Er übte Macht und Kontrolle über sein Opfer aus, das er offenkundig als seinen Besitz betrachtete.“

„Krone“: Frau Magistra Staniek – wie kann es sein, dass ein Mann dazu fähig ist, seiner Frau derartiges Leid anzutun?
Patricia Staniek: Für den Betreffenden war seine Frau kein Mensch, sondern ein Objekt, dass er für seine abscheulichen Zwecke benutzte.

Gleichzeitig dürfte der Beschuldigte aber – zumindest nach außen hin – mit dem Opfer ein scheinbar „normales“ Dasein geführt haben.
Der mutmaßliche Täter scheint ein psychologisches Doppelleben geführt zu haben, in dem er zwei verschiedene Rollen eingenommen hat. Einerseits die des unauffälligen Ehemanns, andererseits die des Peinigers. Eine Rolle, die es zuließ, die böse Seite in ihm herauszulassen. Er übte Macht und Kontrolle über seine Frau aus, die er offenkundig als seinen Besitz betrachtete, die er benutzte, wie es ihm gefiel.

Der mittlerweile Verhaftete hat damit absurdeste Grenzen überschritten. Seine Frau letztlich sogar an andere Männer „vermietet“. Der Weg bis dahin?
Der Weg bis dahin war wahrscheinlich ein längerer. Zuerst war da die Fantasie, die irgendwann zur Wirklichkeit wurde. Ich nehme an, dass sich der Beschuldigte mit den Jahren in seiner Grausamkeit gesteigert hat.

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Zuerst war da die Fantasie, die irgendwann zur Wirklichkeit wurde. Ich nehme an, dass sich der Beschuldigte mit den Jahren in seiner Grausamkeit gesteigert hat.

Die Profilerin über den mutmaßlichen Täter


Das Opfer – es muss doch immer wieder verletzt gewesen sein. Warum hat es deshalb niemals Alarm geschlagen, Hilfe gesucht; sich von seinem Mann befreit?
Gerade deshalb dürfte er seine Frau sediert oder unter Alkohol gesetzt haben. Scheinbar wollte er verhindern, dass sie die Übergriffe bewusst wahrnimmt, sich später daran erinnert und erkennt, wer ihr diese Verletzungen zufügt. Vermutlich konnte sie sich nicht vorstellen, dass ihr eigener Ehemann zu derartigen Misshandlungen fähig wäre. Schmerzen oder Verletzungen hat sie daher möglicherweise anderen Ursachen zugeschrieben. Was außerhalb der eigenen Vorstellungskraft liegt und woran jede Erinnerung fehlt, lässt sich nur schwer als gezielte Gewalt erkennen.

Wie erschreckend muss die Vorgeschichte des Beschuldigten sein – dass er sich quasi zu einem Monster entwickelte?
So ungewöhnlich es klingen mag: Seine Vorgeschichte muss keineswegs von schweren Traumata oder eigenen Gewalterfahrungen geprägt sein. Menschen, die anderen derartige Gewalt zufügen, waren nicht zwangsläufig zuvor selbst Opfer.

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Gewaltverherrlichende und sexuell extreme Inhalte sind heute leichter verfügbar. Bei entsprechend disponierten Menschen können sie Fantasien verstärken.

Patricia Staniek über „Internet-Gefahren“

Was könnte dann hinter einem solchen Verhalten stehen?
Das lässt sich ohne umfassende psychiatrische beziehungsweise sexualmedizinische Begutachtung nicht diagnostizieren. Ein derartiges Verhalten muss jedoch nicht zwingend auf einer Persönlichkeitsstörung oder einer anderen psychischen Erkrankung beruhen. Sofern sich die Vorwürfe bestätigen, könnten unter anderem ausgeprägte sadistische Neigungen oder eine paraphile Störung eine Rolle spielen. Dabei ist eine ungewöhnliche sexuelle Präferenz nicht automatisch krankheitswertig. Entscheidend ist, ob daraus Leidensdruck entsteht, die Kontrolle verloren geht oder andere Menschen geschädigt und deren Grenzen und Selbstbestimmung verletzt werden. Die meisten Menschen setzen selbst problematische Fantasien nicht in die Realität um, weil moralische Hemmungen, Empathie und das Wissen um die Folgen klare Grenzen bilden.

Dennoch: Es wirkt so, also würden immer mehr Menschen diese Grenzen überschreiten ...
Gewaltverherrlichende und sexuell extreme Inhalte sind heute leichter verfügbar. Bei entsprechend disponierten Menschen können sie Fantasien verstärken, Gewöhnungseffekte fördern und die Suche nach immer drastischeren Reizen begünstigen. Daraus darf jedoch keine einfache Ursache-Wirkungs-Beziehung abgeleitet werden: Der Konsum solcher Inhalte allein macht niemanden zum Täter. Entscheidend ist, ob ein Mensch seine Fantasien kontrolliert und die Würde, körperliche Unversehrtheit und Zustimmung anderer respektiert.

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