Drei Tage nach dem haushohen Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt flogen auch im Deutschen Bundestag die Fetzen. AfD-Chefin Alice Weidel ließ Bundeskanzler Friedrich Merz wissen, dass sie seine Koalition für gescheitert halte. Merz konterte und warf der AfD „Wahlbetrug“ vor.
AfD-Chefin Alice Weidel hatte am Mittwoch als Auftaktrednerin erklärt, dass die schwarz-rote Koalition aus ihrer Sicht am Ende sei. „Die Wähler in Sachsen-Anhalt haben es Ihnen in der Sprache des demokratischen Souveräns mit aller Klarheit mitgeteilt: Schwarz-Rot ist vorbei“, sagte sie. Die Menschen wollten einen Politikwechsel und kein Weiter-so.
Weidel: „CDU pulverisiert“
Auch gegen den Bundeskanzler selbst ging es zur Sache. Er sei in Sachsen-Anhalt nicht nur abgestraft, die CDU sei „pulverisiert“ worden, sagte Weidel. Der Kanzler habe die Botschaft der Wähler in Sachsen-Anhalt nicht verstanden. „Das ist auch nicht weiter relevant, weil Ihre Zeit ist ohnehin abgelaufen. Die Bürger wollen den Politikwechsel, und sie werden ihn bekommen“, sagte Weidel. Sie wiederholte das Ziel ihrer Partei, absehbar im Bund zu regieren.
Weidel griff die Finanzpolitik der Bundesregierung an und warf Merz eine beispiellose Schuldenpolitik vor. Die Staatsfinanzen seien zerrüttet. Er hinterlasse „verbrannte Erde“. „Sie treiben Deutschland in Rekordzeit in die Staatspleite“, sagte Weidel. Der Haushaltsentwurf der Regierung sei eine Kapitulationserklärung der Koalition und verfassungswidrig.
In ihrer Rede attackierte Weidel auch die Migrationspolitik der Regierung und machte diese verantwortlich für Kriminalität und Probleme der inneren Sicherheit im Land. In der Außenpolitik warf sie der Bundesregierung „Kriegspropaganda“ und eine Verschärfung der Konfrontation mit Russland vor. Die AfD-Chefin kritisierte erneut auch die Energiepolitik. Die Energiewende erdrücke die Wirtschaft. „Die Energiewende ist verlorenes und verbranntes Geld.“
Merz wirft AfD „Wahlbetrug“ vor
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) konterte, er warf der AfD in der Generaldebatte zum Haushalt „Verachtung unserer demokratischen Institutionen“ vor. „Sie wollen unser Land destabilisieren“, sagte der CDU-Chef. Mit Blick auf den Begriff „Remigration“ hielt er der Partei außerdem vor, „ethnische Säuberung“ nach Herkunft und Hautfarbe betreiben zu wollen.
Für das Wahldebakel in Sachsen-Anhalt wird in der CDU der Kanzler mitverantwortlich gemacht. Er hatte schon am Montag Fehler und Defizite eingeräumt und versprochen, die Politik der Bundesregierung besser erklären zu wollen. Man müsse „die Menschen auch in ihrer ganzen Emotionalität“ stärker erreichen.
Die Generaldebatte war die erste Gelegenheit, sein Versprechen wahr zu machen. In seiner Rede konzentrierte er sich aber zunächst darauf, die stärkste Oppositionspartei zu attackieren – als wenn er selbst der Oppositionsführer wäre. Dass die AfD in Sachsen-Anhalt nicht die absolute Mehrheit erreicht hat, wertete Merz als Scheitern. Sie habe damit ihr Wahlziel verfehlt. „Nirgendwo in Deutschland werden Sie mit dieser Politik Mehrheiten bekommen“, prophezeite er der Partei. Er warf er der AfD in Sachsen-Anhalt „Wahlbetrug“ vor, weil sie nun entgegen der Ankündigung vor der Wahl auch ohne eine absolute Mehrheit im Parlament regieren will.
Schon kurz vor der Wahl hatte Merz eine Grundsatzdebatte über ein neues Narrativ für Deutschland gefordert. Im Bundestag wiederholte er, dass es gerade für die jüngeren Generationen eine Erzählung geben müsse, welchen Sinn die Reformen machten. Merz hatte dafür bereits die Überschrift „Wohlstand für alle Generationen“ kreiert.
Zwischen- und Ordnungsrufe
Merz wurde seine ganze Rede über von Zwischenrufen der AfD unterbrochen. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner rügte das Verhalten der Abgeordneten der Partei, die vom Verfassungsschutz in mehreren Bundesländern als rechtsextremistisch eingestuft wird. „Wir sind hier nicht auf dem Fußballplatz“, sagte die CDU-Politikerin – und drohte Abgeordneten der AfD, sie aus dem Plenarsaal zu werfen.
Es war das erste Aufeinandertreffen von Merz und Weidel nach dem Erdrutschsieg der AfD bei der Wahl in Sachsen-Anhalt. Sie konnte ihr Ergebnis von 2021 dabei mehr als verdoppeln und wurde mit 43,8 Prozent der Stimmen stärkste Partei. Mit Hilfe des BSW (Bündnis Sahra Wagenknecht) könnte sie nun eine Regierung bilden – ob das BSW dafür zu gewinnen wäre, ist aber noch nicht klar. Die CDU stürzte dagegen um fast 20 Prozentpunkte ab auf nunmehr 17,2 Prozent.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.