Privat versus Kasse?

Jeder Zweite würde noch mehr für Gesundheit zahlen

Innenpolitik
08.09.2026 19:53

Österreichs Gesundheitssystem wird immer teurer – und längst nicht mehr nur vom Staat bezahlt. Schon jeder vierte Euro kommt aus privaten Taschen. Eine neue Umfrage zeigt nun: Fast jeder Zweite würde sogar noch mehr für seine Gesundheit ausgeben.

Noch nie hat Österreich so viel Geld für Gesundheit ausgegeben. 2025 wurde erstmals die 60-Milliarden-Euro-Marke geknackt: 61,3 Milliarden Euro flossen in unser Gesundheitssystem – um 3,5 Milliarden mehr als noch im Jahr davor. Gemessen an der Wirtschaftsleistung liegt Österreich damit im internationalen Spitzenfeld.

Und trotzdem reicht vielen die gesetzliche Krankenversicherung allein offenbar nicht mehr. 3,66 Millionen Menschen und damit rund 40 Prozent der Bevölkerung haben mittlerweile eine private Zusatzversicherung, betont die UNIQA die Rolle der privaten Krankenversicherungen in einem Pressegespräch am Dienstag. Allein im vergangenen Jahr seien 86.000 Versicherte dazugekommen.

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Gesundheit ist komplex, da kann es schnell zu Fehlschlüssen kommen.

UNIQA-Vorstand René Knapp

„Gesundheit ist komplex, da kann es schnell zu Fehlschlüssen kommen“, warnt UNIQA-Vorstand René Knapp. Für ihn geht es deshalb nicht um die Frage öffentlich oder privat, vielmehr müsse die Zusatzversicherung „mit dem System atmen“. Tatsächlich wird schon heute ein beträchtlicher Teil der Versorgung privat bezahlt. Von den 61,3 Milliarden Euro Gesundheitsausgaben entfielen zuletzt 14,95 Milliarden Euro bzw. 24,4 Prozent auf private Ausgaben.

Zwischen 18 und 23 Jahren nicht gesund
Die Gründe dafür liegen für UNIQA nicht zuletzt im demografischen Wandel. Die Österreicher werden zwar immer älter, die Zahl der gesunden Lebensjahre hält damit aber nicht Schritt. Männer können bei einer Lebenserwartung von rund 79 Jahren mit etwa 61 gesunden Lebensjahren rechnen, verbringen also im Schnitt rund 18 Jahre mit gesundheitlichen Einschränkungen. Bei Frauen sind es aufgrund der höheren Lebenserwartung sogar rund 23 Jahre.

Bis 2070 soll die durchschnittliche Lebenserwartung weiter auf etwa 88 Jahre steigen. Gleichzeitig schrumpft jene Gruppe, die das öffentliche System finanziert und am Laufen hält. Bis 2070 dürfte die Zahl der Über-65-Jährigen auf rund 2,9 Millionen steigen. Auf einen älteren Menschen kommen dann deutlich weniger Menschen im Erwerbsalter als heute. Knapp verweist zudem darauf, dass Österreich bereits seit sechs Jahren in Folge eine negative Geburtenbilanz aufweist.

Was die Menschen von der Gesundheitsversorgung erwarten, ist dabei wenig überraschend: Nähe, einfache Abläufe, medizinische Qualität – und vor allem kurze Wartezeiten und schnell verfügbare Termine. 

Rund 130.000 Patienten werden jährlich in österreichischen Privatspitälern behandelt, wie die UNIQA betonte – wohl auch als Retourkutsche an Vizekanzler Andreas Babler, der die Finanzierung von Privatspitälern ja abschaffen will. Dort finden aber etwa 15 Prozent aller Katarakt-Operationen, zehn Prozent aller Knie-Totalendoprothesen und 14 Prozent aller Geburten statt.

Hans Aubauer, Leiter Group Health Insurance bei UNIQA, spricht deshalb von einer längst bestehenden „Verbundversorgung“. Österreich habe dieses Zusammenspiel von öffentlicher und privater Medizin seit Jahrzehnten. Die Debatte dürfe daher nicht darauf hinauslaufen, beide Systeme gegeneinander auszuspielen.

Jeder Zweite würde noch mehr für Gesundheit zahlen
Dass die private Vorsorge weiter wachsen könnte, zeigt eine aktuelle repräsentative UNIQA-Befragung unter gut 3000 Österreichern zwischen 16 und 60 Jahren. 48 Prozent würden gerne mehr für ihre eigene Gesundheitsvorsorge tun, 60 Prozent halten es für wichtig, sich einen Privatarzt leisten zu können. Besonders auffällig ist das Interesse der Jüngeren: Rund ein Drittel der jungen Zielgruppe interessiert sich für eine private Krankenversicherung. Im Schnitt wären die Befragten bereit, dafür 55 Euro monatlich auszugeben, Jüngere sogar 62 Euro.

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