Gerda Pohl wuchs in der Steiermark auf, jetzt engagiert sie sich in Nepal, wo am 26. August eine Sturzflut ganze Ortschaften mitriss. Wie die Lage im Krisengebiet ist und wie wir helfen können.
„Alles ist weg. Alle Kleider, Erinnerungen, Fotos und Dokumente. Viele können nicht einmal ihre Angehörigen bestatten.“ Das Bild, das Gerda Pohl eine gute Woche nach der zerstörerischen Sturzflut in Nepal zeichnet, macht betroffen. Seit 25 Jahren engagiert sich die Allgemeinmedizinerin, die viele Jahre in der Steiermark lebte, in dem südasiatischen Land, vor 20 Jahren gründete sie „Phase“, eine Hilfsorganisation für entlegene und benachteiligte Gemeinden.
Jetzt wird ihre Unterstützung mehr denn je benötigt: Zwar konnte Pohl selbst noch nicht ins Krisengebiet fahren – sie geht einem anderen Brotberuf nach –, dafür aber ihre Kollegen. „Ich habe Fotos gesehen. Das Tal ist wie mit einem Besen ausgefegt.“ In mancher Hinsicht sei die Katastrophe noch schlimmer als das Erbeben im Jahr 2015, das mit einer Magnitude von 7,8 blankes Chaos anrichtete. Von Wiederaufbau kann man kaum sprechen, wenn die Existenzgrundlage weggespült wurde.
Retter leisten Großes
Immerhin: „Nepal war deutlich besser vorbereitet als vor elf Jahren“, sagt Pohl. Hunderte Helfer sind vor Ort im Einsatz, Helikopter bringen Hilfsgüter auf die andere Seite des Flusses, die noch von der Zivilisation abgeschnitten ist. Und tatsächlich werden noch Menschen lebend geborgen – etwa zwei Arbeiter am Tag 9. „Es ist beeindruckend, was viele Retter aktuell leisten.“
Ich wollte immer schon die Ungerechtigkeit ein bisschen verringern. Nepal trägt kaum zur Klimakrise bei, spürt sie aber umso heftiger.

Gerda Pohl
Ärztin
Bild: Privat
An eine Rückkehr zur Normalität ist wohl noch Jahre nicht zu denken, dennoch versucht „Phase“ so etwas wie Alltag mitaufzubauen. Bewohner brauchen dringend Kleidung, Hygieneartikel und Solar-Powerbanks, bis die Stromversorgung wieder eingerichtet ist. „Wir kümmern uns um jene, die besonders benachteiligt sind: Kinder, Waisen, Menschen mit Behinderung, ...“
Für Pohl war es immer schon wichtig, „von meinem Privileg ein bisschen was zurückzugeben“ und „zum Gleichgewicht in der Welt beizutragen“. Obwohl Nepal nur in geringem Maße für die Klimakrise verantwortlich ist, bekommt es die Auswirkungen heftig zu spüren. „Eine ähnliche Katastrophe kann jederzeit wieder passieren“, sagt die 58-Jährige und verweist auf die vielen steilen Täler am Fuße von schmelzenden Gletschern.
Spenden an „PHASE Austria“ unter dem IBAN AT08 2011 1287 6388 9200 und dem Stichwort „Flut“
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