Vorarlbergs Wälder sind durch den trockenen Sommer extrem gestresst worden, die Folgen könnten gravierend sein. Eine besonders große Gefahr geht vom gefürchteten Borkenkäfer aus.
Trockenheit zählt zu den größten Bedrohungen für die Wälder im Alpenraum. Für Vorarlberg gilt das in besonderem Maße: Denn normalerweise sind die Niederschlagsmengen im Ländle außergewöhnlich hoch. Aufgrund des Regenreichtums waren die Bäume nie dazu gezwungen, tief zu wurzeln. Daher sind sie bei lang anhaltenden Dürreperioden umso anfälliger.
Die Bedrohung ist real – und sie ist existenziell. Denn im gebirgigen Vorarlberg kommt dem Wald eine ganz besondere Schutzfunktion zu. Wenn Bäume aufgrund von Wassermangel geschwächt werden oder gar absterben, verlieren ihre Wurzeln nach und nach ihre stabilisierende Wirkung im Boden. Dadurch nimmt die Instabilität der Hänge zu, Erosionen, Rutschungen sowie Muren sind die Folge. Nur um die Dimension aufzuzeigen: 50 Prozent der Forstflächen in Vorarlberg fallen in die Kategorie „Schutzwald“.
Anfällig für Schädlinge und Krankheiten
Ein weiteres Problem: Bäume benötigen Wasser für die Photosynthese und den Nährstofftransport. Bei längerer Trockenheit schließen sie ihre Spaltöffnungen, um Wasser zu sparen. Dadurch nimmt ihre Vitalität ab, und sie werden anfälliger für Schädlinge und Krankheiten. Der gefürchtetste Schädling in unseren Breitengraden ist der Borkenkäfer. Im Gegensatz zu anderen Regionen musste Vorarlberg mit seinen vergleichsweise gesunden Mischwäldern nie mit einem massenhaften Auftreten des Borkenkäfers kämpfen, das könnte sich allerdings ändern. Bereits jetzt zeigen sich in manchen Gebieten überproportional viele Befallsnester, es besteht die akute Gefahr, dass daraus im kommenden Jahr ein ernstes Problem erwachsen könnte.
Landwirtschaftskammer ruft zu besonderer Wachsamkeit auf
Die Vorarlberger Landwirtschaftskammer hat bereits alle Waldaufseher und Waldbesitzer dazu aufgerufen, die Forste intensiv zu kontrollieren. Im Frühjahr gelte es dann, die erste Käfergeneration „mit höchster Priorität“ zu bekämpfen – gelingt dies nicht, könnte sich der Bestand bis zur dritten Generation derart stark vermehren, dass massenhaft Fichten absterben.
Förderungen wurden gestrichen
Als fatal könnte sich erweisen, dass im Zuge der allgemeinen Sparmaßnahmen die Schadholzförderungen ausgesetzt und Unterstützungsmaßnahmen zum Schutz der Wälder gestrichen worden sind. „Es muss deutlich darauf hingewiesen werden, dass vorbeugende Maßnahmen wesentlich effizienter und kostengünstiger sind. Andernfalls drohen nicht nur hohe wirtschaftliche Schäden, sondern auch empfindliche Verluste der Schutzwaldwirkung, die in einem Gebirgsland wie Vorarlberg von existenzieller Bedeutung ist“, heißt es dazu von der Landwirtschaftskammer, welche eine sofortige Wiedereinführung der Förderungen fordert.
Die Wälder klimafit machen
Neben der Bekämpfung der aktuellen Probleme wird es perspektivisch vor allem darum gehen, die Wälder klimafit zu machen. Einfach ist das nicht: Denn stabile und resiliente Wälder benötigen neben einer hohen Baumartenvielfalt auch einen vielfältigen Bestandsaufbau – eine Aufgabe, die mit erheblichem Ressourceneinsatz verbunden ist.
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