„Krone“-Kolumne

„Deutschdenken“ – „Deutsche Kunst“

Kolumnen
06.09.2026 09:45

„Jedem das Seine“. Ausgerechnet der Bauhaus-Schüler Franz Ehrlich musste den zynischen Schriftzug am Tor des KZ Buchenwald gestalten. Nur ein paar Jahre zuvor wurde die experimentelle Schule für Kunst, Design und Architektur in Dessau geschlossen – den Nazis galt sie als Brutstätte für „entartete Kunst“, ein „Irrweg der Moderne“.

Als „Irrweg der Moderne“ bezeichnet auch Hans-Thomas Tillschneider das mittlerweile zum UNESCO-Weltkulturerbe erkorene Bauhaus. Kritik an diesem Nazi-Gleichklang tat der AfD-Politiker in Sachsen-Anhalt mit „staubiger Hitlerei“ ab. Das sei ihm ganz „selbst eingefallen“. Tillschneider gilt als Mastermind hinter dem Slogan „Deutschdenken“, mit dem die rechtsextreme Partei nach einem wahrscheinlichen Wahlsieg die Kultur „patriotisch“ gleichschalten möchte.

Sachsen-Anhalt soll zum „Musterland der Kulturpolitik“ nach dem Vorbild Viktor Orbáns werden. Jeglicher kritischer oder laut AfD „antideutscher“ Kunst könnten die Fördergelder gekürzt werden. Eine Kulturpolitik, die der FPÖ wohl gefallen dürfte. Auch sie will nur fördern, was den Geschmack und die Interessen der breiten Bevölkerung widerspiegelt. Wer braucht schon die Freiheit der Kunst bei Volkstümelei und purer Unterhaltung?

Franz Ehrlich gelang es, im KZ ein kleines Stück dieser Freiheit zu bewahren. Er verwendete für den Schriftzug eine geradlinige Bauhaus-Typografie. Den Nazis fiel das nicht auf. War wohl doch deutsch genug . . .

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