Das neue Radverleih-System „S-Bikes“ in der Stadt Salzburg erfreut sich großer Beliebtheit. Laut Experten haben die Verantwortlichen jedoch etwas Essenzielles vergessen. Denn: Radlhelme gibt es derzeit nicht zum Ausleihen – obwohl dies dringend notwendig wäre. . .
„Wir empfehlen, bei der Nutzung immer einen Helm zu tragen.“ So steht es in den Nutzungsbedingungen für das neue Radverleihsystem „S-Bike“ der Stadt Salzburg. Auch auf den offiziellen Werbefotos haben alle Beteiligten stets einen Radhelm auf und lachen gut gelaunt in die Kamera. Aber: „S-Bike“ hat keinerlei Schutzhelme im Angebot. Diese seien „selbst mitzubringen“, heißt es.
Kein Helm – dann sinkt das Schmerzengeld
Für Verkehrsexperten ist dies ein Unding. Unfallforscher Gerhard Kronreif wählt drastische Worte: „Der Radverleih ist eine super Sache, aber so ist es brandgefährlich.“ Die Gefahr von Kopfverletzungen sei immens. Und: „Niemand hat selbst einen Helm mit. Vor allem nicht, wenn er sich spontan ein Rad ausleihen möchte.“ Zudem verweist der Experte auf die aktuell einhellige Rechtssprechung. Lenkern von E-Rädern wird selbst bei fremdverschuldeten Unfällen ein Mitverschulden an etwaigen Kopfverletzungen gegeben – sofern sie keinen Helm auf hatten. „Auch wenn man nicht am Unfallhergang Schuld ist, bekommt man dann nur einen Teil des Schmerzengeldes zugesprochen“, betont Kronreif. Und das, obwohl das Tragen eines Helmes für Erwachsene nicht verpflichtend ist.
Kommen Helme mit integriertem Chip?
Immerhin 60 Prozent aller Radfahrer auf Österreichs Straßen sind laut aktuellen Statistiken mit Kopfschutz unterwegs. „Für das ,S-Bike’ gilt das leider nicht“, meint Kronreif. Er hat einen konkreten Vorschlag, wie sich das ändern könnte. „Jedes dieser Leihräder hat einen Korb. Da passt so ein Helm leicht hinein.“ Und: „Man könnte diese mit einem Chip versehen, um ihn bei einem Diebstahl jederzeit orten zu können.“ Der Unfallforscher ist sich sicher, dass dies keine Unsummen kosten würde. „Andere Verleihe bieten ja auch Helme an“, betont der Experte.
Die „S-Bikes“ gibt es mittlerweile seit knapp drei Wochen. Im gesamten Stadtgebiet stellen die Verantwortlichen nach und nach knapp 600 Elektro-Fahrräder auf – und das an mehr als 60 Stationen. Ausleihen lassen sich die „S-Bikes“mittels einer App. Derzeit sind die ersten Fahrten kostenlos, danach werden für 30 Minuten 3 Euro fällig. Die Räder erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 25 km/h. Kronreif: „Ein Grund mehr für einen Helm!“
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