Polizei warnt vor Scam

Falscher Pilot ergaunert 77.000 Euro von Steirerin

Steiermark
05.09.2026 10:43
Porträt von Steirerkrone
Von Steirerkrone

Im Murtal in der Steiermark brachte ein angeblicher Pilot eine 50-Jährige dazu, ihm finanzielle Unterstützung in der Höhe von rund 77.000 Euro zukommen zu lassen. Die Polizei warnt nun erneut von sogenannten Love Scams. 

Bereits im März 2026 entstand der erste Kontakt zwischen dem falschen Piloten und der 50-jährigen Frau aus Seckau (Bezirk Murtal) mit einer Freundschaftsanfrage auf Facebook. Der bislang unbekannte Täter gab sich als deutsch-amerikanischer Berufspilot aus, der in den USA lebe. Die Steirerin und der mutmaßliche Betrüger tauschten sich zuerst über Facebook-Messenger, später über WhatsApp aus und entdeckten dabei vermeintlich viele Gemeinsamkeiten. Über Wochen hinweg baute der Mann so Vertrauen zur 50-Jährigen auf.

Bank wies auf möglichen Betrug hin
Schließlich wollte der „Pilot“ für die Steirerin sogar nach Österreich umziehen. Ende April kündigte er dieses Vorhaben an. Vorab sollte bereits ein Paket mit persönlichen Arbeitsunterlagen nach Österreich geschickt werden, für dessen Zustellung und den Zoll jedoch Zahlungen fällig wurden. Aus verschiedenen Gründen konnte der Mann diese Kosten aber nicht selbst tragen. Im Vertrauen darauf, das Geld zurückzubekommen, tätigte die Frau daraufhin mehrere Überweisungen.

Diese Überweisungen erregten allerdings die Aufmerksamkeit von Bankmitarbeitern, die die Frau daraufhin auf einen möglichen Betrug hinwiesen. Dem Täter gelang es dennoch, den Druck weiter zu erhöhen, indem er der Frau mit einer Festnahme wegen des Verdachts der Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung drohte. Daraufhin kaufte die 50-Jährige auch Apple-Geschenkkarten und übermittelte die Gutscheincodes an den „Piloten“.

Erster Verdacht am Flughafen
Im August kündigte der Mann schließlich seine Ankunft in Österreich für Anfang September an, weshalb die Steirerin am verabredeten Tag zum Flughafen nach Wien fuhr, um ihn abzuholen. Vom „Piloten“ fehlte aber jede Spur. Stattdessen erhielt die Frau eine angeblich vom Bundeskriminalamt stammende Nachricht, wonach der Mann festgenommen worden sei und für seine Freilassung eine Kaution bezahlt werden müsse. Dadurch wurde die 50-Jährige schließlich misstrauisch und vertraute sich einer Bekannten an. Letztendlich erkannte die Frau den Betrug und erstattete Anzeige. Insgesamt entstand ihr ein finanzieller Schaden von rund 77.000 Euro.

Polizei warnt vor Betrügern
Die Polizei warnt nun erneut vor sogenannten Love Scams. Dabei bauen Kriminelle über das Internet beziehungsweise Social-Media-Plattformen gezielt emotionale Beziehungen zu ihren Opfern auf. Sie schaffen über einen längeren Zeitraum hinweg Vertrauen und nutzen Gefühle gezielt aus. Häufig geben sich die Täter gegenüber Frauen etwa als Ärzte, Piloten, Soldaten oder Mitarbeiter auf Bohrinseln im Ausland aus. 

Auch Männer können Opfer derartiger Betrüger werden. Ihnen gegenüber treten Täter etwa als vermeintlich junge, attraktive Frauen auf, die im Ausland leben oder arbeiten. Früher oder später folgen meist Geldforderungen für angebliche Reisen, Notfälle oder diverse Schwierigkeiten.

Täter gehen dabei äußerst geschickt vor und nutzen das Vertrauen und die Gefühle der Opfer gezielt aus – Scham bei den Geschädigten ist deshalb nicht notwendig. Vorsicht ist insbesondere geboten, wenn persönliche Treffen immer wieder scheitern, plötzlich Geld verlangt oder mit negativen Konsequenzen gedroht wird.

Die Polizei betont: „Überweisen Sie kein Geld und übermitteln Sie keine Gutscheincodes oder Ausweisdokumente an Personen, deren Identität Sie nicht zweifelsfrei überprüfen können. Nehmen Sie Warnungen Ihrer Bank, von Angehörigen oder anderen Vertrauenspersonen ernst. Wer bereits Geld überwiesen hat, sollte keine weiteren Zahlungen leisten, den Kontakt abbrechen, Chats und Zahlungsbelege sichern und Anzeige bei der Polizei erstatten.“

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