Wiener Frauen ab 60 Jahren erobern am 15. September wieder den Laufsteg der Vienna Fashion Week mit ihren eigenen Kreationen. Die „Krone“ erhielt vorab einen Einblick in die Kollektion und die Gedanken dahinter – denn es geht um weit mehr als „nur“ schicke Mode.
Seit drei Jahren zeigen Seniorinnen im Rahmen von Fashion reloaded powered by Pensionistenklubs der Stadt Wien, dass man auch im Alter cool, kreativ und authentisch sein kann. 34 Frauen folgten dem Aufruf von Projektleiterin Irena Reichel die neue Kollektion „fenWomenal“ zu designen, nähen und schließlich auch selbst am 15. September bei der Vienna Fashion Week vorzuführen. „Die 500 Tickets dafür waren binnen zwei Tagen ausverkauft“, freut sich Reichel. Doch dahinter steckt viel Arbeit.
„Das Strahlen kommt von innen, nicht durch Botox“
Seit knapp einem Jahr wurden wahre modische Kunstwerke zum Thema Fusion von Mann und Frau geschaffen. Etwa von Jaqueline Franz. Sie nennt ihr Outfit „Business as unusual“: „Ich habe die Stereotype der klassischen Männerkleidung, wie Krawatten und Hemd mit dem Verspielten der Damen, wie Stickereien vermählt.“ Die 61-Jährige will zeigen, wie Altern aussehen kann. „Das Strahlen kommt von innen, nicht durch Botox“, betont sie.
Emira Kundurovic hat aus einem Sakko vom Schwiegervater einer Freundin ein elegantes Outfit gezaubert. Zwei Taschenuhren symbolisieren, wie die Zeit vergeht. „Aber es ist wichtig, nicht die Jahre zu zählen“, sagt die 78-Jährige. Aus einem Männerfrack und einem Rock, der aus einem Taschenstoff gefertigt wurde, hat Luise Poppeller einen zeitlosen Schwarz-weiß-Look designt. Sie hat nicht nur in puncto Nähen viel dazu gelernt, sondern auch durch den Austausch mit den anderen Frauen.
Ältere weisen Jüngeren den Weg
Einander zu stärken ist generell ein großes Thema des Projekts. Margit Sedlak-Emperer will eine andere Perspektive auf das Älterwerden zeigen, Jungen die Angst davor nehmen. „Im Vorjahr haben wir so viel positives Feedback bekommen. Etwa, dass wir ein Beispiel dafür sind, dass Altern nicht schlimm oder schlecht sein muss.“ Sie hat in ihrem Modestück einen Hosenanzug in ein Kleid umgewandelt. Schlangendetails stehen für die Frau in Anlehnung an Adam und Eva.
Neli Waroschanov freut sich vor allem auf den Laufsteg. „Da bin ich in einer anderen Welt und fühle mich wie im Himmel“, sagt sie. „Alter ist für uns alle die Zukunft“, weiß Reichel. Projekte wie diese würden helfen, dass Frauen im Alter gesehen und wertgeschätzt werden: „Alt und hässlich gibt es nicht mehr.“
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