Skandal in Gospić
Demo in Zagreb wegen illegaler Giftmüll-Deponie
Ein Giftmüllskandal hat zehntausende Kroatinnen und Kroaten am Samstag zu einem Protest auf die Straßen von Zagreb getrieben. Grund für den Protest: In der Gemeinde Gospić wurden illegal rund 33.000 Tonnen Abfall vergraben. Die Sorge um das Trinkwasser ist groß - die Regierung wurde zu schnellerem Handeln aufgefordert.
Mehr als drei Jahre wurde auf dem Industriegelände in der Region Lika giftiger Müll illegal entsorgt. Mehrere Millionen Euro soll an eine kroatische Firma für die Beseitigung der Abfälle geflossen sein – deren Betreiber sind bereits in Untersuchungshaft. Aufgedeckt wurde der Fall von der Europol.
Demonstranten fordern schnelles Handeln
Die Demonstranten, die am Samstag in Zagreb protestieren, fordern eine rasche Beseitigung des Giftmülls – denn bislang ist kaum etwas passiert. Die Bürgerinitiative, die die Aktion organisierte, fordert die Regierung auf, innerhalb von 20 Tagen ein vollständiges Sanierungsprogramm vorzulegen, damit der vergrabene Abfall innerhalb von drei Monaten entfernt werden kann.
Es wurden mehrere Busse organisiert, um Menschen zur Demonstration in die Hauptstadt zu bringen. Der Protest wurde unter dem Titel „Hodaj za Liku, hodaj za Hrvatsku“ (Lauf für Lika, Lauf für Kroatien) abgehalten. Tausende kroatische Fahnen wurden geschwenkt, auf Plakaten war beispielsweise „Gospić ist kein Müllplatz, Lika kein Abladeort“ zu lesen.
Hier ist ein Bild von der illegalen Mülldeponie zu sehen:
Teil des Mülls gefährlich und ökotoxisch
Bei dem Material, die seit Monaten in Gospić gelagert werden, handelt es sich laut Staatsanwaltschaft und der Umweltbehörde um gemischte technogene Abfälle, wie Kunststoffe, Elektro- und Elektronikschrott sowie medizinische Abfälle, die aus verschiedenen EU-Ländern stammen sollen. Ein Teil davon wird sogar offiziell als gefährlicher und ökotoxischer Abfall eingestuft. Untersuchungen deckten doppelt so hohe Arsenwerte wie erlaubt auf. Dazu kommen erhöhte Konzentrationen von Chrom, Kupfer, Nickel und Blei.
Die Sorge ist groß, dass sich der Müll zersetzt und die Schadstoffe ins Grundwasser gelangen. Auch Experten warnen, dass die Stoffe im Trinkwasser krebserregende Folgen haben könnte. Doch der kroatische Premierminister Andrej Plenković hält sowohl den Aufruhr um das Thema als auch die Demo für übertrieben. Es sei schließlich niemand gestorben, „niemandem ist irgendwas passiert“, verkündete er.
Region bekannt für Plitvicer Seen und Kartoffeln
In der Lika gibt es zahlreiche Nationalparks, wie die Plitvicer Seen, die jedes Jahr zahlreiche Touristen locken. Auch das Velebit-Gebirge in der Region ist bei Bergsteigern sehr beliebt. Bekannt ist die Region auch für die qualitativ besonders hochwertige Kartoffeln, die Lički krumpir.
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