Rosa Montag
„Bier, Boobs, Brezn“: Die Wiesn wird lesbisch!
Die Wiesn wird lesbisch! Unter dem Motto „Bier, Boobs, Brezn“ wird es heuer erstmals ein Oktoberfest-Event geben, bei dem queere Frauen im Mittelpunkt stehen. Am 21. September feiern rund 700 Frauen und Flinta-Personen im Festzelt „Bräurosl“. Flinta steht für Frauen, Lesben, Inter, Nonbinär, Trans und Agender.
Am Tag davor findet natürlich auch wieder der traditionelle Gay Sunday, der Rosa Sonntag, statt. Seit mehr als 40 Jahren treffen sich dort vor allem schwule Männer. Jetzt soll auch die lesbische Community ihren eigenen großen Wiesn-Tag bekommen.
„Wo sind eigentlich die lesbischen Frauen?“
Genau diese Frage stellte sich Veranstalterin Sina Scherer. „In München gab es früher viel mehr Orte, an denen lesbische Frauen sichtbar waren und sich selbstverständlich getroffen haben“, sagt sie. Viele dieser Treffpunkte seien verschwunden. Auch auf der Wiesn seien lesbische Frauen bislang kaum als eigene Community sichtbar. Ihre Lösung, die sofort angekommen ist: „Dann warten wir nicht darauf, dass jemand einen Raum für uns schafft. Dann schaffen wir ihn selbst.“
Mit ihren „Lost Girls“-Events organisiert Scherer schon länger Partys für lesbische Frauen. Auf dem Oktoberfest ist der Rosa Montag nun eine bereits ausverkaufte Premiere.
Auf Instagram feiern die Organisatorinnen, dass ihre Idee so viel Echo ausgelöst hat:
Warum ausgerechnet die Wiesn?
„Vielleicht ist die Wiesn gerade deshalb ein guter Ort, weil sie kein klassischer Queer Space ist“, sagt Scherer im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Auf dem größten Volksfest der Welt treffen schließlich die unterschiedlichsten Generationen, Nationalitäten und Lebensentwürfe aufeinander.
Queeres Leben solle dort selbstverständlich sichtbar sein – nicht nur im Club oder beim Christopher Street Day. Und trotz der Sorgen nach dem Anschlag auf den Berliner CSD sei die Lust aufs Feiern groß. Auch das Vertrauen in die Sicherheitsvorkehrungen auf der Wiesn sei vorhanden.
90 Prozent Männer beim Rosa Sonntag
Die Bräurosl-Wirte Franziska und Peter Reichert kennen den Rosa Sonntag seit Jahrzehnten. Rund 90 Prozent der Gäste seien männlich. „Hier liegen sich über 6.000 Männer in den Armen und feiern das Leben und die Liebe“, sagen sie.
Frauen seine dabei in der Minderheit und das liege vermutlich am unterschiedlichen Bier-Konsum. Viele Frauen- und Lesbenkneipen der 90er- und 2000er-Jahre seien daran gescheitert, dass sie die von den Brauereien geforderten Abnahmemengen nicht erreicht hätten.
Auch Geld spiele eine Rolle. „Ein Wiesn-Tisch kostet Geld.“ Umso mehr freue es sie, dass sich inzwischen auch lesbische Frauen das leisten könnten.
Rosa Sonntag wird zum Rosa Montag
Die Nachfrage nach dem Rosa Sonntag werde von Jahr zu Jahr größer und übersteige inzwischen das Angebot, berichten die Bräurosl-Wirte. Deshalb wird die queere Wiesn heuer eben kurzerhand verlängert. Zusätzlich zum Rosa Sonntag gibt es erstmals den Rosa Montag. Und der steht ganz im Zeichen von „Bier, Boobs, Brezn“.
Einfach feiern, ohne suchen zu müssen
Die Wiesn soll dabei nicht neu erfunden werden. „Wir wollen genau das machen, was Menschen dort seit Generationen machen: zusammensitzen, essen, anstoßen, tanzen, neue Leute kennenlernen und gemeinsam eine gute Zeit haben“, sagt Scherer.
Der Unterschied: Lesbische Frauen und Flinta-Personen stehen an diesem Tag bewusst im Mittelpunkt. Sie müssen sich nicht erst mühsam gegenseitig im Festzelt suchen.

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