Das Schuljahr startet mit zahlreichen Neuerungen. Bildungslandesrat Stefan Hermann (FPÖ) erklärt, wie man in der Steiermark mit dem Kopftuchverbot für Mädchen bis 14 umgehen will, welche neuen Regeln für Schulassistenten gelten und warum die Sonderschul-Landkarte umgekrempelt wird.
Es ist ein gewagter Wurf der ÖVP-Integrationsministerin: Schülerinnen dürften bis zu ihrem 14. Geburtstag kein Kopftuch mehr tragen. Schon vor dem Schulstart gab es Proteste – etwa von der Sozialistischen Jugend und der Islamischen Glaubensgemeinschaft. Dies kritisierte der steirische Bildungslandesrat Stefan Hermann (FPÖ) am Mittwoch scharf: „Ich finde es bedenklich, dass Organisationen offen zum Rechtsbruch aufrufen. Das Gesetz halte ich für gut und richtig.“
In einem Hintergrundgespräch informierte er Medienvertreter über Neuerungen für das Schuljahr, das in unserem Bundesland am 14. September startet. Im Hinblick auf das Verbot gibt es in der Steiermark ein Unikum: Zwei Verantwortliche der Extremismus-Präventionsstelle werden Lehrer bei der Umsetzung unterstützen.
Ebenso verordnet der Bund ab 1. September 2026 eine verpflichtende Suspendierungsbegleitung. Hier gab es zuletzt ja erschreckende Zahlen aus unseren Schulen: 226 Kinder wurden im Schuljahr 2025/2026 suspendiert, 127 mehr als im Vorjahr. Vier Posten werden jetzt in der Steiermark zur Begleitung dieser Kinder zur Verfügung gestellt.
Sonderschul-Landkarte wird umgekrempelt
Brisante Neuerungen gibt es auch für Menschen mit Behinderung: Das Landesverwaltungsgericht hat festgestellt, dass in der Steiermark ein rechtswidriger Zustand bei den Sonderschulsprengeln herrscht. Über die Hälfte der Gemeinden ist keinem Sprengel zugeordnet. Kosten können deswegen nicht auf mehrere Kommunen aufgeteilt werden, weshalb es wiederum weniger Standorte als in anderen Bundesländern gibt.
Statt neuen Häusern will man aber vor allem sogenannte Partnerklassen, sprich Sonderklassen in Regelschulen, forcieren. Doch noch ein Bekenntnis zur Inklusion? Man setze seit jeher auf Inklusion, meint Hermann, „aber wir lassen uns die Sonderschulen nicht schlechtreden“. Ein Großteil der Anrufe, die sein Büro erreichen, seien verzweifelte Eltern auf der Suche nach Sonderschulplätzen.
Bei Schulassistenten wird ab sofort genauer hingeschaut. Sie dürfen ausnahmslos keine pädagogischen Aufgaben mehr übernehmen. Damit dadurch keine Lücken entstehen, werden 1,5 Millionen Euro für zusätzliche Sonderpädagogen in die Hand genommen – nochmals 500.000 Euro mehr als im Vorjahr. Das entspricht etwa 30 Vollzeitäquivalenten. Von Kürzungen sprach der Landesrat zu keinem Zeitpunkt im Gespräch, aber „der Budgetprozess ist noch offen“.
Für die Jüngsten gibt es ab diesem Schuljahr wieder – zumindest an 14 Standorten – Vorschulklassen, um „Verhaltensauffälligkeiten abzufedern“. Deutlichen Aufholbedarf besteht noch bei den Kinderkrippen – hier gab es im Vorjahr nur eine 33-prozentige Bedarfsdeckung. Helfen soll ein Fördercall des Bildungslandesrates: Gemeinden und private Träger können Anträge für geplante Projekte einreichen und bekommen bis zu 275.000 Euro für neue Krippen-Gruppen. 57 neue Gruppen (Kindergarten und -krippe) mit 1022 neuen Plätzen werden im kommenden Betreuungsjahr ins Leben gerufen.
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