Während Gewerbe und Handwerk in Niederösterreich zuversichtlich sind, dass es wieder bergauf geht, ist die Stimmung in der Industrie weiterhin trüb. Geeint sind die beiden Wirtschaftssparten aber im Ärger über die überbordende Bürokratie.
Seit Monaten verdunkeln düstere Wolken den Konjunkturhimmel über Niederösterreich. Und auch Meldungen vom heimischen Arbeitsmarkt gaben zuletzt wenig Grund zur Freude. Jubel ist nach wie vor nicht angebracht – aber es zeigt sich ein zarter Hoffnungsschimmer am wirtschaftlichen Horizont. Vier von fünf Gewerbe- und Handwerksbetrieben gehen im weiten Land davon aus, dass ihr Beschäftigtenstand in den kommenden Monaten gleich bleiben wird.
Nachhaltigkeit und Innovation
„Das beweist die stark ausgeprägte Bindung zwischen Unternehmen und Beschäftigten in unseren Branchen“, erklärt Spartenobmann Jochen Flicker. Ein Signal, das angesichts der steigenden Arbeitslosenzahlen der vergangenen Monate wohl auch beim AMS gern gehört wird. Denn immerhin fünf Prozent der mehr als 67.000 Gewerbe- und Handwerksbetriebe haben sogar vor, zusätzliches Personal aufzunehmen.
Und auch Investitionen werden in nächster Zukunft wieder geplant. Vor allem in Nachhaltigkeit und Innovationen soll Geld gesteckt werden, zeigt das aktuelle Wirtschaftsbarometer in Niederösterreich.
Verlegung ins Ausland
Doch kein Licht(-blick) ohne Schatten. Dieser liegt nach wie vor über den Industriebetrieben zwischen Enns und Leitha. Denn das Vertrauen in den Wirtschaftsstandort sinkt, das belegen neue Daten des Industriewissenschaftlichen Instituts (IWI). Der Vertrauensindex der Industrie ist weiter abgerutscht. „Die negativen Einschätzungen liegen bei uns fast doppelt so hoch wie im EU-Schnitt“, sagt Veit Schmid-Schmidsfelden, Obmann der Metalltechnischen Industrie in NÖ. 40 Prozent der Industriebetriebe überlegen die zumindest teilweise Verlegung der Produktion ins Ausland.
In Österreich sind es 47,1 Prozent der Arbeitskosten, die nicht in der Geldbörse der Beschäftigten landen.

Veit Schmid-Schmidsfelden, Obmann der Metalltechnischen Industrie in NÖ
Bild: Josef Bollwein
Bürokratie und Abgaben
Was Industrie, Gewerbe und Handwerk jedoch eint, ist die Verzweiflung über die heimische Bürokratie und die hohen Abgaben. „Eine Entrümpelung der bürokratischen Anforderungen für die Betriebe ist dringend nötig“, fordert Flicker. Und Schmid-Schmidfelden beont: „An der Senkung der Lohnnebenkosten darf es kein Rütteln geben!“
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