Die jüngsten Temperatur-Rekorde fordern ihren Tribut und stellen das Gesundheitssystem vor neue Herausforderungen. Allein im Juni und Juli starben fast 650 Personen in Österreich wegen der Hitze – vor allem kranke und ältere Personen mussten ihr Leben lassen.
Damit war – angesichts purzelnder Temperatur-Rekorde und einer schier endlosen Serie an Tropennächten – auf tragische Weise zu rechnen. Und doch schockiert die Zahl: Allein für die Monate Juni und Juli meldet die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) 646 Fälle von „hitzeassoziierter Übersterblichkeit“.
Noch nie zuvor waren in Österreich mehr Hitze-Tote zu beklagen. Und die Zahl wird noch massiv ansteigen, ist doch die August-Hitzewelle – samt absolutem Temperatur-Rekord mit 41,2 Grad am 5. August in Bad Deutsch-Altenberg (NÖ) – noch gar nicht eingerechnet.
Allein im Juni 13 Todesopfer pro Tag
Bisher war der Juni der tödlichste Monat aller Zeiten. Die Hitze kostete 395 Menschen das Leben. Das sind 13 Todesopfer pro Tag – und fast so viele wie im gesamten Sommer (Juni bis September) des Vorjahres.
Maßnahmen angekündigt
Kranke und ältere Personen, aber auch Kleinkinder sind am stärksten gefährdet. Doch die Hitze betrifft nicht nur einzelne Menschen, sie stellt auch das Gesundheitssystem selbst vor zunehmende Herausforderungen. Eine neue Analyse zeigt nun erstmals, welche Einrichtungen besonders stark betroffen sind. Das Ergebnis: Bis Ende Juli waren mehr als 70 Prozent der Krankenhäuser sowie Senioren- und Pflegeeinrichtungen und 80 Prozent der Primärversorgungszentren mit mindestens 20 Hitzetagen konfrontiert.
Gesundheitsministerin Korinna Schumann will gegensteuern: „Wir werden nicht so tun, als gäbe es auf diese komplexe Entwicklung eine einfache Antwort. Aber wir können sehr genau hinschauen, wo die größten Risiken liegen – und genau dort müssen wir ansetzen.“
Wir müssen bei Hitze nicht nur auf Zahlen schauen. Wir müssen auch darauf schauen, was die zunehmende Hitze für unser Gesundheitssystem bedeutet.

Gesundheitsministerin Korinna Schumann
Bild: APA/HELMUT FOHRINGER
Wie die Zahl der Toten tatsächlich berechnet wird
Zur Berechnung herangezogen wird die sogenannte hitzeassoziierte Übersterblichkeit. Die Zahl jener Personen, die im Vergleich zum Schnitt „zu viel“ starben, wird mit den Sterbedaten von Tagen verglichen, an denen es besonders brütend ist. Die Berechnung basiert auf dem aktuellsten wissenschaftlichen Stand – die große Änderung zur früheren Zählweise: Statt wöchentlichen werden tägliche Wetter- und Sterbedaten ausgewertet.
Außerdem berücksichtigt das neue Modell verzögerte Effekte von Hitze, die sich bis zu 21 Tage nach einem Extremtag auf die Sterblichkeit auswirken können. Dadurch werden auch längere Extremwetter-Perioden besser abgebildet.
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