In Österreich

Muslimbruderschaft hat Hunderte Mitglieder

Österreich
28.08.2026 13:23
Porträt von krone.at
Von krone.at

Wie berichtet, sollen mehrere Akteure der Deradikalisierungsstelle Derad Bezüge zu Organisationen, Vereinen und Personen haben, die die Ideologie der Muslimbruderschaft aufweisen. In Österreich dürfte die Bewegung einige Hundert Mitglieder haben, im Gründungsland Ägypten gar mehr als eine Million.

Die islamistische Bewegung tritt aber vor allem in lokalen Gruppierungen auf, nicht als große Gesamtorganisation. Daher gibt es nur Schätzungen, wie viele Menschen sich als Muslimbrüder definieren. Die Bewegung wurde 1928 von Hassan al-Banna ins Leben gerufen und verfolgt das Ziel eines Gottesstaats. Die Trennung von Religion und Staat wird strikt abgelehnt. Erreichen will man den Gottesstaat durch eine Staatsordnung auf Grundlage der Scharia – jedoch nicht mit Gewalt, sondern durch eine Unterwanderung der Gesellschaft. Dazu dienen auch unterschiedliche soziale Aktivitäten der Sympathisantinnen und Sympathisanten.

Die Bewegung aus Ägypten hat sich inzwischen über viele Länder ausgebreitet, nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend auch in westlich orientierten Staaten. In Tunesien gehörte eine der Bruderschaft nahe stehende Partei nach dem „Arabischen Frühling“ etliche Jahre der Regierung an. In Ägypten stellte man nach dem Sturz des Mubarak-Regimes sogar den Staatspräsidenten, ehe ein Militärputsch den Höhenflug der Muslimbrüder in ihrem Gründungsland beendete. Heute ist die Bruderschaft in Ägypten ebenso verboten wie beispielsweise in Saudi-Arabien, Jordanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die USA haben regionale Ableger wie jene in Ägypten auf ihre Terrorliste gesetzt.

Bewaffneter Widerstand gegen „Besatzer“ erlaubt
Obwohl die Muslimbruderschaft ihre Ziele laut eigenen Angaben auf legalem Weg umsetzen will, wird sie mit Gewalttaten verbunden. Das kommt etwa daher, dass bewaffneter Widerstand gegen „Besatzer“ (Im Regelfall ist Israel gemeint) dezidiert erlaubt ist und sich auch radikale Organisationen wie die Hamas aus der Bruderschaft entwickelt haben. Die lokalen Interessenvertretungen in ungefähr 70 Staaten agieren weitgehend autonom, obwohl es einen „Generallenker“ gibt. In Österreich tritt die Muslimbruderschaft nicht offiziell als Organisation oder Verein auf.  Seit 2019 ist das Verwenden von Symbolen hierzulande verboten.

Wie berichtet, hat die Bundesregierung am Freitag angekündigt, die Zusammenarbeit mit der Deradikalisierungsstelle Derad aufgrund der Beziehungen zur Muslimbruderschaft zu beenden. „In dem hochsensiblen Umfeld der Deradikalisierungsarbeit mit wegen islamistischer Straftaten Verurteilter darf es keine Graubereiche geben. Deshalb hat das Justizministerium in Abstimmung mit dem Innenministerium unmittelbar gehandelt und die Zusammenarbeit mit Derad beendet“, sagte Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ). Es sei sichergestellt, dass es zu keiner Versorgungslücke komme. Derad war seit 2016 für das Justizministerium im Einsatz.

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