Sie ist eine Verkehrsstadträtin für alle Formen der Mobilität Wiens. Und so konnte die „Krone“ Ulli Sima (SPÖ) sogar zum Lenken eines Autos überreden. Was Seltenheitswert hat. Dabei verrät sie, was sie auf der Straße so nervt ...
Ulli Sima eröffnet einen Radweg. Ulli Sima macht eine Probefahrt mit der Bim. Von alledem gibt es unzählige Fotos, nur davon nicht: Ulli Sima fährt mit dem Auto? Wie kann das sein? Mag Wiens Verkehrsstadträtin die Autofahrer nicht?
Im Rahmen unserer Sommerserie machen wir mit der SPÖ-Politikerin den „Triathlon“ der Mobilität durch die halbe Stadt. Die Vorgabe: Wir fahren mit dem Rad, mit den Öffis und – jetzt halten Sie sich fest – auch mit Pkw. Die Stadträtin ist nicht Beifahrerin, sie sitzt am Steuer. Aber alles der Reihe nach:
Ulli Sima fährt mit dem Rad
Treffpunkt Äußere Mariahilfer Straße. Baustellenlärm vom Umbau, Presslufthammer, Herumgebohre. Es sieht aus, als wäre der Boden explodiert. Neben den Umbau-Kratern: Ulli Sima mit ihrem Rad: „Ich liebe es“, sagt sie öfter. 2021 gekauft, Elektro. Damit fahren wir bis zur „Krone“-Redaktion in Döbling. 7,3 Kilometer – über den Gürtel-Radweg.
„Ich bin eine Schönwetterfahrerin“, gibt sie zu. Heute ist schönes Wetter – und man merkt sofort: Die Stadträtin ist eine geübte Radlerin, sie schwebt nur so dahin. Bei einer blinkenden Ampel bleibt sie stehen. Hätten wir aber noch geschafft. „Wenn die ,Krone’ dabei ist, kann ich ja nicht bei Rot fahren“, lacht sie. „Ich bin immer vorsichtig.“
Wir kommen heil bei der Redaktion an.
Ulli Sima fährt mit den Öffis
Zuerst U4, dann U1 zur Donauinsel. Dass heute ein schöner Tag ist, kann auch zum Problem werden: Zwei U-Bahnen, zwei Silberpfeile – keine Klimatisierung. „Man kann die Waggons nicht austauschen, nur weil sie keine Klima haben“, erklärt Sima. „In den asiatischen Ländern, wo einem die Anlagen in den Öffis ins Gesicht blasen, ist das für mich unerträglich.“
Wir wollen in der U4 mit einer Frau sprechen: Hier neben Ihnen sitzt die Stadträtin für die Öffis. Wollen Sie Ihr etwas sagen?
„Ich nix verstehen.“
Pech gehabt. Vielleicht auch Glück. Weiter gehts mit der U1.
„Die U-Bahn ist das schnellste Verkehrsmittel der Stadt“, so die Politikerin. „Rücksichtnahme ist immer ein Thema. Es fängt beim Essen an, beim lauten Rumschreien, Telefonieren, Musik hören. Deswegen haben wir eine Kampagne laufen.“
Heute ist ein Glückstag. Keine Panne, keine langen Wartezeiten, keine vollen Züge. Man sollte öfter mit Ulli Sima unterwegs sein. Ankunft beim Pier 22 – dort führen wir ein Interview, das sie morgen lesen.
Ulli Sima fährt mit dem Auto
Es gibt wohl mehr dokumentierte UFO-Sichtungen als das: Sima am Steuer eines Autos. In dem Fall ihr Dienstwagen. Wo sonst der Chauffeur sitzt, hat sie Platz genommen. Ziel: wieder die „Krone“-Redaktion. Nach einer kurzen Verwirrung über die richtige Ausfahrt, steigt sie aufs Gas – vorschriftsgemäß freilich.
„Ich bin als junge Frau immer nur am Sonntag gefahren, weil ich mich so wahnsinnig gefürchtet habe“, gibt sie heute zu. „Versuchen Sie einmal in Wien rückwärts einzuparken mit einem Auto mit Kärntner Nummerntafel. Da hupen hinter einem schon ungefähr 20 Leute.“
Was sie am Autofahren nervt? „Der Stau“, gibt sie zu. Parkplatzsuchen macht ihr auch keinen Spaß.
Wenn man doch nur Verkehrsstadträtin wäre.
Nach 15 Minuten kommen wir heil in Döbling an. Selbst bei den verwinkelten Gassen kennt sie sich gut aus. Nun zurück zur Einstiegsfrage: Frau Sima, mögen Sie keine Autofahrer?
„Unsinn. Ich bin ja hin und wieder selbst eine.“ Mittlerweile auch an Wochentagen.
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