Oscar-Preisträger Paweł Pawlikowski hat einen Film über Thomas Manns Familie gedreht. Sandra Hüller spielt die Hauptrolle in „Vaterland“. Die „Krone“ traf den Regisseur zum Talk.
Eine Oscarnominierung für „Vaterland“ soll Paweł Pawlikowski sicher sein, wenn man Brancheninsidern glaubt. Der Schwarz-Weiß-Streifen, der bei uns am 3. September im Kino startet, hat bereits den Regiepreis in Cannes gewonnen und wird von Kritikern hochgelobt. Beim Treffen mit der „Krone“ in München erklärt Literaturexperte Pawlikowski hinter großen schwarzen Sonnenbrillen, dass nicht seine Bewunderung als Leser ihn auf die Idee zu einem Film über Thomas Mann gebracht hat: „Mann war nie einer meiner liebsten Autoren, obwohl ich in meinen reiferen Jahren begonnen habe, seine Weisheit und seinen offenen Blick zu schätzen.“
Stattdessen hätten ihn seine Beziehungen interessiert: „Dieses Dreieck Thomas, Sohn Klaus und Tochter Erika, das erschien mir wie ein intensiver emotionaler Mix. Es ist der Stoff einer griechischen Tragödie.“ Der Filmemacher hält sich aber nicht an die historischen Gegebenheiten: „Ich habe die Reise von Thomas Mann nach Deutschland in 1949 vereinfacht zu einem fünftägigen ,Roadmovie‘ von West nach Ost. Ich habe verschiedene Elemente der Geschichte genommen und sie mit dem Drama in der Familie vermengt. Der Suizid von Sohn Klaus in Cannes geschah aber in Wahrheit schon vier Monate davor.“ Die Arbeit mit Sandra Hüller, die Erika Mann spielt, sei „intensiv“ gewesen: „Sie ist ein Phänomen. Sie arbeitet von innen heraus.“ Während des Drehs arbeite er das Skript laufend um: „Man braucht dafür gute Schauspieler, die nicht die Nerven verlieren, wenn du etwas veränderst.“
Heimatlosigkeit wegen digitaler Räume
In dem Film kehren die Manns aus ihrem Exil in Amerika für eine Reise nach Deutschland zurück – das Thema Heimat beschäftigt den polnischen Oscar-Preisträger („Ida“), der selbst lange im Ausland gelebt hat: „Wenn man einmal sein Land verlassen hat, weiß man nicht mehr, wo das Zuhause ist. Ich bin vor 13 Jahren nach Polen zurückgekehrt, aber das Polen, das ich kannte, das in meinem Kopf war, ist gar nicht mehr da. Viele Leute haben diese Erfahrung gemacht.“ Es gehe eher um geistige Heimat als um einen geografischen Ort. Doch heute habe das noch eine ganz neue Ebene: „Viele sind heute nur in digitalen Bubbles zu Hause. Das Gefühl der Heimatlosigkeit ist sehr verbreitet, nicht nur unter jenen, die im Exil leben.“
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