Am Donnerstag ist der verurteilte Kriegsverbrecher Ratko Mladic im Alter von 83 Jahren gestorben. Nun deutete der serbische Justizminister an, dass Mladic ein Staatsbegräbnis bekommen könnte. „General Mladic ist ein General, und das Protokoll ist bekannt“, sagte Nenad Vujic.
Der Verweis auf das staatliche „Protokoll“ wird von serbischen Medien so interpretiert, dass die Regierung unter Präsident Aleksandar Vucic ein Staatsbegräbnis mit höchsten Ehren plant. Als sicher gilt, dass Mladic im Belgrader Friedhof Topcider beigesetzt wird. Dies entspräche seinem Wunsch, neben seiner Tochter Anna begraben zu werden, die sich 1994 im Alter von 23 Jahren selbst das Leben nahm, hieß es. Ein Termin für das Begräbnis steht bisher nicht fest.
Wie berichtet, ist der ehemalige bosnisch-serbische Militärführer Mladic am Donnerstag in Den Haag in einem Gefängniskrankenhaus gestorben. Er verbüßte dort eine lebenslange Haftstrafe für die Verbrechen, die er im Bosnien-Krieg (1992-1995) begangen hatte. Verurteilt hatte ihn ein UN-Tribunal wegen Völkermords. Es wies ihm die Mitschuld am Massaker von Srebrenica im Juli 1995 nach. Bosnisch-serbische Milizen hatten dort unter seinem Kommando mehr als 8000 Menschen, hauptsächlich Männer und männliche Jugendliche, ermordet. Frauen und Kinder wurden vertrieben.
Unter Mladic errichteten die Milizen Gefangenenlager, in denen sie nicht serbische Zivilpersonen unter unmenschlichen Bedingungen festhielten und oft zu Tode quälten. Sie betrieben auch Vergewaltigungslager für nicht serbische Mädchen und Frauen. Sarajevo wurde mehr als drei Jahre lang belagert. Allein dort starben mehr als 11.000 Menschen, unter ihnen viele Kinder. Ziel war es, „ethnisch reine“ Gebiete zu schaffen. Mladic wies die Vorwürfe gegen ihn stets zurück.
Belgrad leugnet Völkermord bis heute
Mladic war zwar bosnischer Serbe, erhielt aber Sold und Rente von der Armee Serbiens. Die serbische Regierung leugnet bis heute den gerichtlich festgestellten Völkermord, den bosnisch-serbische Milizen unter Mladic in Srebrenica und bei der grausamen Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo begangen hatten. Der heutige Präsident Vucic war selbst als junger Mann Angehöriger einer extremistischen serbischen Bürgerkriegsmiliz, die vom jüdischen Friedhof in Sarajevo auf Zivilpersonen in der Stadt schoss. Seine damalige Rolle ist bis heute ungeklärt.
Belgrad bemühte sich, die Freilassung des Verbrechers Mladic auf humanitärer Basis zu bewirken. Zuletzt lehnte das Gericht am 20. August die Freilassung ab und verwies darauf, dass er gar nicht mehr transportfähig sei. Es sei daher humaner, ihn nicht noch einer Überstellung auszusetzen, hieß es.
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