EZB muss reagieren

Droht den Häuslbauern die nächste Zins-Keule?

Wirtschaft
28.08.2026 11:39
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die Teuerung in Europa zieht wieder an – und damit wächst die Sorge vor höheren Kreditkosten für Häuslbauer. In Frankreich und Spanien ist die Inflation im August deutlich gestiegen. Das erhöht den Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB), ihren Leitzins im September erneut anzuheben. Für Menschen, die einen Wohnbaukredit aufnehmen wollen, könnte das die Finanzierung eines Eigenheims wieder verteuern.

In Frankreich stiegen die Verbraucherpreise im August um durchschnittlich 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Im Juli hatte die Inflationsrate noch bei 2,4 Prozent gelegen, teilte das französische Statistikamt Insee am Freitag mit.

Noch stärker fiel der Anstieg in Spanien aus: Dort kletterte die Inflationsrate von 3,9 auf 4,5 Prozent. Beide Länder berechnen ihre Inflationsraten nach einheitlichen europäischen Standards.

Spritpreise treiben die Teuerung
Als wichtigen Grund für den Anstieg nennen Experten die höheren Treibstoffpreise. „Es sind vor allem die Benzinpreise, die den Inflationsdruck in diesem Monat antreiben“, sagte Daniel Hartmann, Chefvolkswirt des Vermögensverwalters Bantleon.

Das Liniendiagramm zeigt die Entwicklung des harmonisierten Verbraucherpreisindex in Prozent für Österreich und die Eurozone von Januar 2025 bis Juli 2026. Österreich hat meist höhere Werte als die Eurozone. Im Juli 2026 liegt Österreich bei 2,9 % und die Eurozone bei 2,7 %. Quelle: Eurostat.

Das spanische Wirtschaftsministerium führt die Entwicklung auf die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten zurück. Die Straße von Hormus, über die normalerweise etwa ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs transportiert wird, ist laut den Angaben faktisch gesperrt.

Auch für die Euro-Zone insgesamt könnte sich damit ein neuer Inflationsschub abzeichnen. Das im Mai erreichte Jahreshoch von 3,2 Prozent könnte übertroffen werden. Hartmann rechnet mit einem Anstieg der Inflationsrate auf 3,3 Prozent – nach 2,9 Prozent im Juli. Eine erste Schätzung will Eurostat kommende Woche veröffentlichen.

EZB könnte Zinsen erneut erhöhen
Damit liegt die Teuerung deutlich über dem Inflationsziel der EZB von zwei Prozent. Die Notenbank könnte deshalb im September ihren Leitzins zum zweiten Mal in diesem Jahr anheben – von derzeit 2,25 auf 2,50 Prozent.

Dass eine weitere Erhöhung möglich ist, geht auch aus den Protokollen der EZB-Zinssitzung vom Juli hervor. Zwar seien die Entscheidungen weiterhin von den Wirtschaftsdaten abhängig, heißt es darin. Eine weitere Anhebung könnte aber notwendig sein, sollte sich die Aussicht auf eine niedrigere Inflation nicht deutlich verbessern.

Für Kreditnehmer wäre ein höherer EZB-Leitzins grundsätzlich eine schlechte Nachricht: Die Finanzierungskosten könnten steigen. Das trifft insbesondere jene, die einen neuen Wohnbaukredit aufnehmen oder eine bestehende Finanzierung mit variabler Verzinsung haben. Wie stark sich eine mögliche EZB-Erhöhung tatsächlich auf einzelne Kredite auswirkt, hängt allerdings von den jeweiligen Kreditkonditionen ab.

Die EZB hatte die Zinsen im Juni erstmals seit fast drei Jahren angehoben und im Juli eine Pause eingelegt.

Österreich zuletzt mit weniger Inflation
In Österreich hatte sich die Teuerung zuletzt hingegen abgeschwächt. Laut Statistik Austria sank die Inflationsrate im Juli auf 2,8 Prozent, nachdem sie im Juni noch 3,2 Prozent betragen hatte. Damit lag der endgültige Wert um 0,1 Prozentpunkte über der Ende Juli veröffentlichten Schnellschätzung.

Gedämpft wurde die Inflation unter anderem durch niedrigere Lebensmittelpreise. Seit Anfang Juli wirkt sich zudem die von der Bundesregierung eingeführte Mehrwertsteuersenkung auf einige Grundnahrungsmittel aus.

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