„Gar kein Schaden“

Windpark-Millionenbetrüger aus Haft geflohen

Ausland
27.08.2026 18:29
Porträt von krone.at
Von krone.at

Er verkaufte Windparks, die es gar nicht gab, täuschte damit Unternehmen um Millionen und wurde zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Jetzt sorgt Hendrik Holt erneut für Schlagzeilen: Der 36-Jährige kehrte von einem genehmigten Ausgang aus dem offenen Vollzug nicht ins Gefängnis zurück. Nach ihm wird gefahndet.

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück bestätigte, dass Holt am Dienstag nicht in die Berliner Justizvollzugsanstalt zurückkehrte. Nähere Angaben zu den Fahndungsmaßnahmen wurden aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst nicht gemacht.

Windparks, die es gar nicht gab
Wie die „FAZ“ berichtet, galt Holt einst als „Wunderkind“ der Energiebranche. 2022 verurteilte ihn das Landgericht Osnabrück wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs zu sieben Jahren und sechs Monaten Haft. Holt und der damalige Finanzdirektor seiner Unternehmensgruppe hatten demnach Windparkprojekte verkauft, die nicht existierten.

Mehrere Unternehmen wurden um Millionenbeträge gebracht. Auch Familienmitglieder waren beteiligt und wurden wegen Beihilfe zu Freiheitsstrafen verurteilt.

Zuletzt verbüßte Holt seine Strafe im offenen Vollzug. Weil er offiziell in Berlin gemeldet ist, war er dort untergebracht und durfte die Justizvollzugsanstalt tagsüber verlassen.

Neue Anzeige wegen 3,1 Millionen Euro
Besonders brisant: Gegen Holt liegt inzwischen eine weitere Strafanzeige wegen Betrugs vor. Im Mittelpunkt steht der geplante Kauf des Flughafens Rostock-Laage für 3,1 Millionen Euro. Laut „Welt“ soll Holt im Juli 2025 bei einem Treffen von Käufer- und Verkäuferseite in Berlin aufgetaucht sein und dabei den Eindruck vermittelt haben, wirtschaftlich eine wichtige Rolle zu spielen. Holt bestreitet eine Beteiligung. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück bestätigte den Eingang der Anzeige.

„Liebesgrüße aus Moskau“
Auch seine aktuellen Äußerungen sorgen für Aufsehen. Wie die „Bild“ berichtet, soll Holt nach Bekanntwerden seiner Flucht auf Instagram Videos aus Moskau veröffentlicht haben. Dazu schrieb er: „Liebesgrüsse [sic] aus Moskau sehr schön hier der Kaviar ist fantastisch.“ Ob er sich tatsächlich in Russland aufhält oder die Ermittler in die Irre führen will, ist unklar.

Noch im Mai hatte Holt gegenüber „Bild“ von einem Neustart gesprochen. „Ich bin jetzt frei, ich habe meine Schuld abgesessen und will neu anfangen“, sagte er damals. Seine Aktivitäten hätten „im legalen Bereich“ nie aufgehört.

40 Millionen Euro Gläubigerforderungen
Der Fall beschäftigt die Behörden bereits seit Jahren. Holt war am 17. April 2020 in einem Berliner Nobelhotel festgenommen worden. Im laufenden Insolvenzverfahren belaufen sich die Forderungen seiner Gläubiger laut Insolvenzverwalter auf mehr als 40 Millionen Euro. Holt selbst hatte die Vorwürfe in einem früheren Interview zurückgewiesen und erklärt: „Ich habe gar keinen Schaden gemacht.“

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