Ausgerechnet eine ehemalige Pussy-Riot-Aktivistin hat jahrelang für den russischen Inlandsgeheimdienst FSB spioniert. Freiwillig sei sie aber nicht zur Agentin geworden, sagte die Künstlerin in einem Interview mit dem russischen Oppositionsmedium „Port“.
Nach einer Wohnungsdurchsuchung im Februar 2023 hätten sie zwei FSB-Agenten unter Druck gesetzt und mit einem Strafverfahren wegen ihrer Postings über Russlands Massaker im ukrainischen Butscha gedroht. Damit wird eine Reihe von Kriegsverbrechen in einem Vorort von Kiew bezeichnet. Nach dem Abzug von russischen Streitkräften wurden 458 Leichen gefunden, von denen viele Anzeichen dafür trugen, dass die Opfer erschossen, gefoltert oder erschlagen worden waren. Bei fast allen Toten handelte es sich um Zivilpersonen.
Die ehemalige Pussy-Rio-Aktivistin Rita Flores hatte darüber berichtet. Laut ihrer Aussage drohten ihr die Agenten damals auch, dass sie „niemals beweisen“ könnte, wer ihre „Mutter getötet hat“. Wenig später habe sie daher den Vertrag mit dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB unterschrieben, um einem Strafprozess zu entgehen.
Hier sehen Sie das Posting von Flores, in dem sie ihre Geschichte als zwangsrekrutierte Spionin erzählt:
Aufträge sabotiert, Kontakte abgebrochen
Der FSB gab Flores den Decknamen „Harley“. Sie sei beauftragt worden, Dossiers über Kunstschaffende anzulegen und Menschen aus ihrem eigenen Umfeld auszuspionieren, erzählte die Russin „Port“. Der Inlandsgeheimdienst habe wissen wollen, mit wem die Personen Umgang hatten, wer zu ihrer Familie gehörte und welche Schwächen gegen sie ausgenutzt werden könnten. Laut ihrer eigenen Aussage hat die junge Frau diese Aufträge immer wieder sabotiert. So habe sie beispielsweise mit manchen Freundinnen und Freunden absichtlich gestritten, um den Kontakt abzubrechen und dem FSB nichts mehr zu liefern.
Im Sommer 2025 folgte schließlich der größte Auftrag. „Harley“ sollte den Verleger des Oppositionsportals „Mediazone“ und ehemaligen Sprecher von Pussy Riot, Pjotr Wersilow, nach Serbien locken. Russische Agenten sollten den heute 38-Jährigen dann entführen und töten. Dieser Auftrag war der Auslöser für Flores, auszusteigen. Sie habe sich an einen Menschenrechtsanwalt im Exil gewandt und ihn um Hilfe gebeten, schilderte sie.
Will jetzt anderen helfen
Inzwischen ist sie selbst aus Russland geflohen. Ihre Geschichte habe sie öffentlich gemacht, um anderen zu helfen, die der russische Geheimdienst ebenfalls angeworben habe. Der FSB soll insgesamt etwa 350.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben. Flores litt laut eigener Aussage während ihrer Zeit als Spionin an Depressionen und posttraumatischer Belastungsstörung während der Überwachung.
Pussy Riot ist ein 2011 gegründetes russisches Performance-Kollektiv, das sich als feministisch, regierungs- und kirchenkritisch versteht. Ihr Markenzeichen sind spontane Auftritte an öffentlichen Orten. Aufgrund der Verfolgung in Russland leben einige Mitglieder inzwischen im Exil.
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