Unmut im Raum Neapel
Erdbeben im Juli machte Hunderte obdachlos
Am 31. Juli hatte ein Erdbeben der Stärke 4,7 den Großraum Neapel erschüttert. 217 Gebäude wurden zerstört, Hunderte Menschen obdachlos. Bewohnerinnen und Bewohner werfen den Behörden jetzt vor, zu langsam zu handeln. Viele fürchten, auf Dauer keine bezahlbare Unterkunft zu finden.
Besonders betroffen sind Familien mit Kindern und ältere Menschen. Mit der wachsenden Nachfrage nach Wohnungen für Evakuierte sind die Mietpreise im Großraum Neapel gestiegen. 1101 Wohneinheiten wurden nach dem Erdbeben am 31. Juli geräumt. Einige Bewohnerinnen und Bewohner beschädigter Häuser haben Sorge vor Plünderungen. Sie organisieren deshalb eigene Wachen und wechseln sich bei der Kontrolle der verlassenen Wohnungen ab.
Viele sind bei vorübergehend bei Verwandten, Freundinnen oder Freunden untergekommen. Manche schlafen in ihren Autos. Ein Teil befürchtet, die Region dauerhaft verlassen zu müssen.
Am Donnerstag haben sich einige Bewohnerinnen und Bewohner der süditalienischen Hafenstadt Pozzuoli vor dem Regionalparlament mit Campingzelten versammelt. Die Regionalregierung tagte zu diesem Zeitpunkt zur Lage in den Phlegräischen Feldern. Die Demonstrierenden verlangten eine vollständige Finanzierung der Erdbebensicherung von Gebäuden, Unterstützung für Familien, die ihre Wohnungen verlassen mussten, sowie Hilfen für Beschäftigte und Unternehmen. Zudem wollen sie mehr Transparenz bei der Verwendung der staatlich bereitgestellten Gelder. „Wir wollen wissen, wohin das Geld fließt“, hieß es.
„Nicht auf die Katastrophe warten“
Bereits am Mittwochabend hatten zahlreiche Menschen in Pozzuoli mit einer Fackelmahnwache demonstriert. Auf Transparenten und Plakaten standen Sätze wie „Wartet nicht auf die Katastrophe, handelt jetzt“ und „Wir wollen nicht die Toten zählen, sondern die Lebenden“. Bei dem Erdbeben wurden mehr als 20 Menschen verletzt, in vielen Gebäuden fiel der Strom aus.
Die Region rund um den Supervulkan südlich von Neapel steht seit Jahren unter dem Einfluss sogenannten Bradyseismus. Dabei hebt und senkt sich der Boden, begleitet von Erdbebenschwärmen. Das Beben vom 31. Juli war das stärkste seit ungefähr 40 Jahren.

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