Nach Streit in Shop

Freiwillige Helferin (76) von Volkshilfe verwiesen

Oberösterreich
21.08.2026 13:00

In ihrer Pension wollte sich Linzerin (76) freiwillig bei gemeinnütziger Organisation engagieren. Doch es sollte anders kommen: Nach einem Wortgefecht mit einer Shop-Mitarbeiterin soll die 76-Jährige auf rüde Weise heimgeschickt worden sein. Dabei sind Ältere für Hilfsorganisationen unverzichtbar.

„Ich bin schon länger in Pension und wollte in meiner Freizeit unentgeltlich in einem passenden Umfeld mitarbeiten“, erzählt Emilie H. (76) aus Linz. Da die Pensionistin unter anderem auch im Handel tätig gewesen war, heuerte sie in einem Linzer Volkshilfe-Shop an. „Ich war insgesamt fünfmal für mehrere Stunden dort, half dort auch etwa beim Verräumen der Waren und war total happy“, schildert die 76-Jährige.

„Rauswurf“ nach Wortgefecht
Zumindest bis zur Vorwoche, als eine neue Mitarbeiterin das Sagen in dem Geschäft bekommen hätte. „Ich kam mit einer Kundin ins Gespräch, nahm ihr einen Teil der Waren ab und legte sie aufs Verkaufspult“, schildert H. Das soll der Verantwortlichen nicht gepasst haben, es kam zu einem Wortwechsel, der mit einem „Rauswurf“ der Seniorin endete: „Sie hat gesagt, dass ich meine Sachen packen, verschwinden und mit meiner Pension daheim bleiben soll“, ist H. sauer.

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Rund 80 Prozent unserer Freiwilligen sind bereits im Ruhestand. Ohne die wertvolle Unterstützung könnten wir Teile unserer Projekte in der Form nicht umsetzen.

Fred Edlinger, Volkshilfe-Shops

Vorfall wird ernst genommen
Auf Nachfrage teilte die Volkshilfe OÖ mit, dass man den Vorfall sehr ernst nehme und ihn prüfen werde. „Ein Verhalten, wie es beschrieben wurde, hat in unseren Einrichtungen keinen Platz und entspricht in keiner Weise unseren Werten“, so Shop-Bereichsleiter Fred Edlinger. Rund 170 Freiwillige würden sich in den Shops oder Sozialmärkten engagieren, rund 80 bis 90 Prozent seien im Ruhestand. „Ihr Engagement ist von unschätzbarem Wert“, betont Edlinger.

Hilfsorganisationen schätzen Senioren
Auch beim Roten Kreuz OÖ sind rund 23 Prozent der Freiwilligen älter als 61 Jahre, unterstützen bei den sozialen Diensten oder als Lesecoaches. „Sie wollen sich neu orientieren und suchen eine Tätigkeit, die Sinn stiftet“, weiß OÖRK-Präsident Gottfried Hirz. „Viele Mitarbeiter unterstützen uns in ihrer Pension im Rettungsdienst oder bei Essen auf Rädern“, sagt Dietmar Hager, Freiwilligenkoordinator beim Samariterbund OÖ., wo ebenfalls gut 15 Prozent der Ehrenamtlichen über 60 Jahre alt sind.

Kommentar
Freiwilligkeit besonders schätzen

„Ganz wichtig sind Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität“, liest sich im Leitbild der Volkshilfe und sollte so in allen Lebenslagen gelten. Gerade im Bereich der Personalführung ist auch noch Fingerspitzengefühl gefragt. Vor allem dann, wenn es darum geht, die Arbeit von (freiwilligen) Mitarbeitern zu kritisieren.

Menschen, denen es dazu an den nötigen Nerven oder der Sozialkompetenz fehlt, sollten besser im Hintergrund agieren. Es ist ohnehin schwer genug, williges Personal zu finden. Wenn dann noch jemand freiwillig und unentgeltlich mithilft, sollte das besonders geschätzt werden.

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